Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 22.09.2026, 14.47 Uhr
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  • Monotheismus-Debatte im Perlentaucher: Angestoßen von Jan Assmann. Mit Beiträgen von Klaus Müller, Peter Sloterdijk und anderen
  • Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
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Dienstag, 01.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Kipppunkt in der Bewegung

01.09.2026 Die ostdeutschen AfD-Wähler wollen dem Westen einen "übermächtigen Schlag" versetzen, glaubt der Soziologe Detlef Pollack in der FAZ. Eine AfD-Politik in Sachsen-Anhalt würde übrigens zu Einkommensverlusten in Höhe von durchschnittlich 1.600 Euro pro Person führen, rechnet der Ökonom Marcel Fratzscher in der taz vor. Wir sollten nicht von "Verdrängung", sondern von "Vergangenheitsabwehr" sprechen, sagt im SZ-Gespräch der Historiker Klaus-Dietmar Henke mit Blick auf die Nachkriegsgeschichte. Nicht viel Optimismus versprüht Adam Tooze bei den Berliner Festspielen während einer Diskussion über die Zukunft Europas, notiert Elke Schmitter im Perlentaucher.

Efeu - Die Kulturrundschau

Ultimative Reinwaschung

01.09.2026 Monopol trifft in einer Ausstellung des Bildhauers Charles Ray in Kassel riesige Madonnen und sehr kleine Mädchen, die Welt sucht dort vergeblich den Skandal. Die FAZ fragt sich nach der Lektüre von Wolfgang Ratherts Karajan-Biografie, ob der vielleicht doch mehr "Gesinnungsnazi" war als angenommen. Die Welt lässt sich bei Tanz im August von der Marseiller Balletttruppe "(La) Horde" und ihrem Stück "Nach mir die Sintflut" aus dem Sitz spülen. Der Schriftsteller Ingo Schulze ärgert sich im Freitag, dass ihn im "Gittersee"-Skandal niemand hat zu Wort kommen lassen. 

Magazinrundschau

Zwischen einem Petaflop und einem Exaflop

01.09.2026 Newlines begibt sich in gut belüfteten unterirdischen Kammern auf die Suche nach den geheimen Goldvorräten des Islamischen Staates. Außerdem erzählt New Lines die grausame Geschichte der Unterdrückung der Jesiden. Der New Yorker besucht Susan Te Kahurangi King, Neuseelands berühmteste Künstlerin, die sich durch Zeichnungen von Menschen mit Schweinegesichtern ausdrückt. Novaja Gazeta Europe berichtet von russischen Familien, die die falschen Leichen ihrer im Krieg gestorbenen Söhne zugeschickt bekamen. Modisch ist, wer den besten Fake besitzt, lernt der Dlf. Und Eurozine lernt, wie aufwändig es wird, dass vollständige menschliche Konnektom zu kartieren.

Bücherschau des Tages

Sturmzerzauste Glücksgeschichte

01.09.2026 Wolfgang Rathert zeigt der FAZ die dunkle Seite des Komponisten Herbert von Karajan. Die FR zieht sich warm an für Norbert Scheuers Roman "Holunderholz", der Erinnertes, Erfundenes und Philosophie verquickt. Die SZ bewundert den Mut und ungebrochenen Optimismus von Charlotte Knobloch. Mit Julia Willmann rettet sie ein einsames Strandhotel. Und die Welt sieht in Iwan Heilbuts Fluchtroman "Zugvögel" einen der wichtigsten deutschen Exilromane überhaupt. 

Mittwoch, 02.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Kein Ende der Geschichte

02.09.2026 Für die Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig scheint Russland verantwortlich zu sein: Eine "Eskalationsstufe", wie es sie seit dem Kalten Krieg nicht gab, kommentiert Zeit Online. In der SZ fordert der Rechtsprofessor Tristan Barczak moderne Gesetze, um sich gegen hybride Angriffe wie diesen wehren zu können. Der Kommunikationswissenschaftler Johanns Hillje analysiert in der taz, wie sich die AfD zum "Sehnsuchtsort" für Ostdeutsche stilisiert hat. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt, befürchtet bei einer AfD-Regierung katastrophale Entwicklungen für die Unis. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide erinnert bei epd daran, wie nahe sich Judentum und Islam eigentlich stehen. 

Efeu - Die Kulturrundschau

Der Maestro wird zur Marke

02.09.2026 Die Eröffnung der Filmfestspiele Venedig zeigt, dass sich das Kino in einer Existenzkrise befindet, seufzt der Tagesspiegel. Der Freitag erwartet derweil die auf Festivals inzwischen üblichen harschen Auseinandersetzungen um Gaza und Russland. Außerdem bejubeln die Filmkritiker Paweł Pawlikowskis Thomas-Mann-Film "Vaterland". Die SZ begeistert sich auf der Ruhrtriennale für Solal Mariotte und Anne Teresa De Keersmaekers getanzten Fiebertraum "Brel". Doch kein Milliardengrab? Die Welt zumindest ist voller Lob für die sauteure, aber äußerst elegant restaurierte Oper Köln.

Bücherschau des Tages

Mit göttergleicher Allwissenheit

02.09.2026 Die FAZ verbeugt sich vor Shida Bazyar und ihrem Roman "Die Lücken", der sich sowohl der Geschichte der Deportation von Juden aus dem Hunsrück als auch der Fremdheitserfahrung iranischer  Migranten widmet. Die FR lüftet mit Anousch Mueller und "Lori" DDR-Geheimnisse. Die NZZ lässt sich von Moritz Aisslinger erzählen, was eigentlich im Jahr Null so auf der Welt passierte. Die Welt blickt mit Johannes Ehrmann von den USA aus auf die Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933. Und Dlf bekommt von Beatrice Salvioni einen "saftigen Italo-Wälzer" serviert. 

Donnerstag, 03.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Mit allen Sinnen in diese verlorene Welt

03.09.2026 Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt könnten unter einer AfD-Regierung sehr leiden, befürchtet der Jurist Christoph Möller im Tagesspiegel-Interview. Europa hat immer noch nicht begriffen, wie existenziell die Gefahr ist, die von Russland ausgeht, warnt der Politikwissenschaftler Franz-Stefan Gady in der NZZ. Die Zeit porträtiert die Linken-Politikerin Elif Eralp, die mit extremen Kräften in ihrer Partei zu kämpfen hat. Die NZZ reist nach Litauen ins Lost Shtetl Museum, wo an die Geschichte der von den Nazis ermordeten litauischen Juden erinnert wird. 

Efeu - Die Kulturrundschau

Flirt auf des Messers Schneide

03.09.2026 Die Zeit blickt auf den Boykott israelischer und jüdischer Stimmen in der Literatur, die selbst zum Verstummen gebracht werden, wenn sie in Israel Morddrohungen erhalten. Die FAZ erklärt der AfD, wie idiotisch es ist, sich ausgerechnet mit Novalis zu schmücken. Außerdem lernt FAZ am Bauhaus Dessau: Algen, Hanf und Pilze sind die Zukunft des Bauens. Die NZZ blickt verträumt in die Wolken in einer Berner Ausstellung über Freilichtmalerei.

Bücherschau des Tages

Vagabunden, Krähen und Teufel

03.09.2026 Zeit und SZ blicken mit dem neuen Roman von Maxim Biller auf die lange Geschichte des Hasses auf Juden: Biller in Bestform, aber manchmal ungerecht, meint die Zeit. Die FR verliert sich gern mit Rachel Cusk in der Selbstbespiegelung. Die taz erfährt in einer Graphic Novel von Jutta Pilgram, was religiöse Orthodoxien bei Jugendlichen anrichten. Der Dlf Kultur lernt dank Davide Giuriato die Revolutionskraft der Fliege kennen. Und die NZZ lässt sich von frühen Gedichten von Juri Andruchowytsch eine "poetische Geschichtslektion" erteilen.

Freitag, 04.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Bald fliegen die Beine

04.09.2026 Die Filmkritiker verlieben sich in Venedig in die symbiotischen Zwillingsschwestern, die Werner Herzog durch die Weite der irischen Landschaft schickt. Dem Guardian bleibt vor Rührung das Herz fast stehen, nachdem er den Teppich von Bayeux nach 950 Jahren erstmals wieder in England bewundern durfte. In der SZ überlegen Matthias Lilienthal und Çagla Ilk, warum ihre Theater mehr sparen müssen als andere Häuser. Und ZeitOnline meint: Mit dem Auftritt von Dahabflex hat die Berliner Linke ihren Wahlsieg vergeigt.

9punkt - Die Debattenrundschau

Das andere in seiner Andersartigkeit

04.09.2026 "Den Osten" gibt es nicht, hält der Ökonom Joachim Ragnitz im FAZ-Interview fest, es gibt nur starke und schwache Landkreise. Die Soziologin Karolina Wigura setzt im SZ-Gespräch auf die Macht der "moralischen Empörung" im Kampf gegen Populisten. Der Historiker Peter Techet warnt in der NZZ, dass Orbán vielleicht wieder an die Macht kommen könnte, wenn Peter Magyar das Land nicht wirtschaftlich stabilisiert. Im FR-Gespräch erklärt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, wie man richtig zuhört, nämlich mit dem "Du-Ohr nicht-egozentrischer Aufmerksamkeit".

Bücherschau des Tages

Lebensprall und konfrontativ

04.09.2026 SZ und Dlf bewundern, wie Shida Bayzar in ihrem modernen Anti-Heimat-Roman verdrängte Geschichte ans Licht bringt: Ein großer Wurf, meint die SZ. Wie das schleichende Gift des Islamismus wirkt, lernt die FAZ in einem "berauschenden" Roman von Safia al Bagdadi. Mit Maxim Biller blickt sie in die lange Geschichte des Antisemitismus. Überzeugend findet die FR es, wenn Philipp Ruch die Wahlerfolge der AfD mit dem Triumph der NSDAP im Jahr 1930 vergleicht. Dlf Kultur folgt Giuliano Musios Pinocchio ins Bergamo der Achtziger.

Samstag, 05.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Neue patriotische Tourismuskonzepte

05.09.2026 It's the Culture, Stupid! Morgen sind Wahlen in Sachsen-Anhalt. FAZ und FR befassen sich mit dem Kulturprogramm der AfD - es ist ein Graus. taz und SZ erinnern an den 11. September, aber der Islamismus und die Verwüstungen, die er seitdem anrichtete, sind kein Thema. In der FAS fragt Ronya Othmann: Von wem ist die Rede, wenn der "Globale Süden" beschworen wird (und von wem eher nicht so).

Efeu - Die Kulturrundschau

Die Schauder des Lustgruselns

05.09.2026 Die FAS wird nicht recht schlau aus dem Auftritt Boualem  Sansals beim Literaturfestival in Berlin. In der Welt erzählt Bernd Stegemann, wie ihn das angstlüsterne Berliner Theaterpublikum 2015 fast in die Arme der AfD getrieben hätte. Die FAZ besucht unter Bombenalarm eine Aufführung der "Odyssee" im Kiewer Iwan-Franko-Theater mit Soldaten des Asow-Regiments. Der Standard staunt, wie gut Sidney Sweeney die Rolle der lesbischen Boxerin Christy Martin in David Michôds Film "That's Why The Lady Is A Champ" verkörpert. Die Zeit entdeckt mit der Pianistin Yvonne Loriod auch eine unentdeckte Meisterin der Komposition.

Bücherschau des Tages

Doppelte Überblendung

05.09.2026 Für die Rezensenten ist Maxim Billers "Schwarze Samstage" ganz klar eines der Bücher des Jahres: Tief beeinduckt verstehen die Kritiker, wie der 7. Oktober nicht nur die Seelen der Juden beschädigte, sondern die der Welt. Spott versteht sich bei Biller von selbst - mit Staunen vernehmen die Rezensenten in dem Buch auch sanftere Töne. Zweimal wird ein Reader über den modischen Begriff des "Postliberalismus" empfohlen - von taz und FAZ. Die Welt bespricht Monika Marons neuen Roman "Vier Minuten". Im Dlf feiert Maike Albath Dana Vowinckels neuen Roman "Anton und Alma".

Montag, 07.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Ein Gefühl und eine Farbe

07.09.2026 44 Prozent AfD, 5,3 Prozent BSW: Die Putinisten haben im Magdeburger Landtag die absolute Mehrheit. "Diese Wahl ist eine Zäsur", kommentieren die Zeitungen in ihren ersten Reaktionen. Kann es sein, dass die AfD auch so viel Zuspruch erhielt, weil der ganze Wahlkampf nur von ihr und nicht von politischen Problemen des Landes handelte, fragen Zeit online und die NZZ. Außerdem: Die SZ fragt, wie man Russlands hybriden Angriffen besser begegnen kann. Die taz fordert korrekte Weltkarten.

Efeu - Die Kulturrundschau

Wie indignierte Tiefseefische

07.09.2026 Das Filmfestival Venedig geht in seine zweite Hälfte über: Die FAZ denkt mit Sergei Loznitsa über die Sowjetunion nach, mit Lance Oppenheims Film über den Journalisten Chris Hansen tauchen die Kritiker in unangenehme Abgründe. Die NZZ entdeckt grandiose chinesische Lackkunst im Museum Rietberg. Thomas Glavinic verspricht im Standard-Interview nach einigen Skandalen Läuterung. Den Start von Çağla İlks Intendanz am Gorki betrachten die Kritiker mit besorgter Skepsis - zu viel Musealisierung, zu wenig Theater?  Nachtkritik lernt in Dresden mit Shakespeare-Sonetten in Christian Friedels Inszenierung sterben.

Bücherschau des Tages

Golden Girls auf Heroin

07.09.2026 Geist und Macht finden in Deutschland dem Klischee nach nicht zusammen. In Peter-André Alts monumentaler Studie "Die Kanzler und die Intellektuellen" aber auch nicht so ganz, findet Thomas Schmid in der Welt. Die FAZ bespricht drei neue Krimis in unterschiedlich gut abgehangenen Konstellationen. Die FR schwebt mit Shida Bazyar über den "Lücken" in der deutschen Erinnerungskultur. Die SZ bespricht neue politische Jugendromane über den Klimawandel und die späte DDR.  

Dienstag, 08.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Nicht nur zum Sattsein geboren

08.09.2026 Die NZZ gibt einen Ausblick auf die finale Staffel der israelischen Serie "Fauda", die nicht nur den 7. Oktober, sondern auch die militanten europäischen Hamas-Sympathisanten in den Blick nimmt. Monopol lernt in der Berlinischen Galerie von der Künstlerin Jeewi Lee, wie hoch der tägliche Sandverbrauch pro Kopf ist. Die Modebranche setzt jetzt auf's Buch, um die Old-Money-Eliten zurückzugewinnen, notiert die SZ. Und für die FR flaniert Claus Leggewie durch leere Kirchen im Armenhaus der Republik.

9punkt - Die Debattenrundschau

Ziemlich großes Tal der Trostlosigkeit

08.09.2026 Der Paukenschlag von Magdeburg dröhnt fort. Die Zeitungen versuchen, sich ein Bild zu machen. In verschiedenen Politikfeldern wird ein AfD-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt kräftige Gestaltungs- (und Zerstörungs-)hebel haben: Kultur, Bildung, Wissenschaft und innere Sicherheit. Die Mattigkeit der Merkeljahre hat die traditionellen Parteien ausgelaugt, so der Politikwissenschaftler Oliver Lembcke in der FR: Es fehlen Politiker mit Ausstrahlung und Autorität. Der Soziologe Hartmut Rosa will die Hoffnung in der Zeit nicht aufgeben: "Die Leute wollen eigentlich keine Arschlöcher sein." Aktualisierung: Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist raus: 83,33 der Autoren sind weiblich.

Magazinrundschau

Früher oder später erlischt das Licht

08.09.2026 Die LRB erklärt,  warum eigentlich das Militär in Pakistan regiert. In der NYT fragt der Palästinenser Ahmed Fouad Alkhatib, warum die Linke die Hamas liebt. László F. Földényi findet das Licht bei Péter Nádas. Bei Dekoder denkt die belarusische Schriftstellerin Volha Hapeyeva über Identität nach. In The Nation erklärt der linke US-Demokrat Abdul El-Sayed, warum er sich um den Kapitalismus sorgt. Der New Yorker denkt über Klasse, Kultiviertheit und Charme nach.

Bücherschau des Tages

Ins gemeinsame Diesseits der Literatur

08.09.2026 Die FAZ lernt in einem von den Autoritarismusforschern Günter Frankenberg und Wilhelm Heitmeyer herausgegebenen Sammelband, wie die AfD über bereits von ihr kontrollierte Institutionen ihre Macht ausbaut. Mit Christoph Palmer besucht sie die Gräber deutscher Romantiker. Die NZZ blickt mit der Dänin Asta Olivia Nordenhof in menschliche Abgründe unter dem Schorf knapp verheilter Wunden. Ebendahin schaut auch der Dlf mit den elektrisierenden Erzählungen von Clemens J. Setz. Und die begeisterte SZ schlürft den neuen Roman von Sven Regener weg wie Grippemittel mit ein bisschen Speed.

Mittwoch, 09.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Naturlaute und falsche Kuckucksrufe

09.09.2026 Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis mit lauter Newcomerinnen ist da. Können wir über die Äußerungen des Jurymitglieds Maha El Hissy zu Israel und Gaza debattieren, fragt Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner in der Jüdischen Allgemeinen. Der Guardian bewundert in Detroit Architekturbilder von Georgia O'Keefe. Die Filmkritiker sehen sich am Lido in Alex Gibneys Elon-Musk-Doku bestätigt: Musk ist ein schwer angeschlagener Paranoiker - sagt eine Ex.

9punkt - Die Debattenrundschau

Wohin gehe ich?

09.09.2026 AfD-Wähler sind Faschisten, dröhnt die taz. Oder zumindest Rechtsextremisten, meint die SZ. Solche Vorwürfe machen sie gewiss nicht empfänglich für Rückholangebote, warnt der Politologe Christian Stecker bei Zeit online. Gut wäre auch eine Zukunftsvision, die nicht apokalyptisch ist, überlegt der Soziologe Hartmut Rosa in der SZ. Andere Themen: Anlässlich des Kopftuchverbots für unter 14-Jährige in Österreich erklärt der islamkritische Autor Murat Kayman, warum viele Muslime am Kopftuch ihrer Töchter hängen. Anlässlich des Jahrestags von 9/11 kritisiert Art Spiegelman im Tagesspiegel die USA.

Bücherschau des Tages

Die Liebe war selten so wild

09.09.2026 Die FAZ lernt dank des Journalisten Carlos Barragan einiges über das Scamming-Business in Nigeria. Mit Peter-Andre Alt blickt sie auf das Verhältnis zwischen Kanzlern und Intellektuellen. Die FR wird umgehauen von Kevin Barrys Halbbluten, Huren und Sheriffs. Die NZZ freut sich über eine Begegnung mit Giuliano Musios Pinocchio-Wiedergänger Pino. Welt und Dlf Kultur denken mit dem Thoraxchirurg Andre T. Nemat über Medizin im digitalen Wandel nach. Mitten ins Herz unserer Gegenwart schaut der Dlf Kultur mit Franziska Gänslers Roman "Orca".

Donnerstag, 10.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Schwellkörper des Aufbegehrens

10.09.2026 Die Zeit schießt mit einer sehr zornigen Niki de Saint Phalle in Düsseldorf auf Eier und Spaghetti. Die Welt lässt sich in Berlin von Maurizio Cattelan an humanitäre Katastrophen erinnern. Erste Bewerbungen werden durch den Erfolg der AfD zurückgezogen, erzählt das Leitungsteam des Theaters Magdeburg in der SZ. Von einem Porno kaum noch zu unterscheiden, winkt die FR in Venedig mit Blick auf das Finale von Ilya Khrzhanovskys "Dau"-Projekt ab. Und die taz sieht Caroline Wahl als Vorreiterin einer neuen Popliteratur. 

9punkt - Die Debattenrundschau

Wohin mit dem Kulturgut

10.09.2026 Wahlen machen noch keine Demokratie, sind Aristoteles und der belgische Historiker David Van Reybrouck bei Zeit online überzeugt. Ist vielleicht der Säkularismus schuld am Wahlerfolg der AfD, überlegt in der taz der Theologe Christoph Maier. Putin wird demnächst seine Oligarchen anpumpen müssen, ist der Ökonom Marcus Keupp in der FR überzeugt, ob sie wollen oder nicht. KI hat ein mathematisches Millenium-Problem gelöst: mit etwas menschlicher Hilfe, berichten FAZ und SZ. Traumata pflegen heute vor allem die Eliten der oberen Mittelschicht, mokiert sich in der Zeit die Filmwissenschaftlerin Catherine Liu. Die SZ blickt fassungslos auf die Posting-Orgie, mit der Donald Trump die Grenzen anderer Länder umgestaltet.

Bücherschau des Tages

Geht runter wie Butterscotch

10.09.2026 Die FAZ amüsiert sich prächtig, wenn Markus Orths einen Laurence-Sterne-Fan auf die Suche nach einem verschollenen Tristram-Shandy-Band schickt. Zutiefst erschüttert ist die Zeit, wenn ihr Mathieu Belezi wie in einem altbabylonischen Keilschrifttext den brutalen Kolonialismus in Algerien vor Augen führt. Der Dlf staunt über die Modernität von George Moores Novelle "Albert Noobs" über Frauen in Männerkleidern. Ganz mitgerissen liest der Dlf Kultur über die Liebesgeschichte zwischen Ernst Ludwig Kirchner und Erna Schilling, die Constantin Lieb erzählt.

Freitag, 11.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Starren in Abgründe

11.09.2026 Gerhard Richter bekommt einen eigenen Pavillon in Qatar, meldet Monopol: Der einzig richtige Ort, findet er. In der FR erzählt der Regisseur Jan-Christoph Gockel von seinen Gesprächen mit russischen Soldaten, in denen doch noch ein Gewissen zu schlummern scheint. Dass Yuval Abrahams und Rachel Szors Film "Naza", in dem IDF-Ehemalige über den Gazakrieg sprechen, im Wettbewerb in Venedig gezeigt wird, schadet dem Festival, findet Zeit Online. Die FAZ tankt ein wenig Restenergie mit Franz Marc in Düsseldorf.

9punkt - Die Debattenrundschau

Er hat richtig gut Deutsch gesprochen

11.09.2026 25 Jahre 11. September. Die Zeitungen versuchen den epochalen Bruch zu fassen. Die Täter waren bourgeoise Dandys, "bis dahin hatte der Islamismus als Bewegung fanatischer Hinterwäldler gegolten", schreibt Andreas Kilb in der FAZ. Für die taz beginnt mit dem 11. September der "antimuslimische Rassismus". Der Kolonialismus selbst ist das Verbrechen, meint der irakische Autor Sinan Antoon in der FAZ. In der Welt erinnern Henryk Broder und Reinhard Mohr an die bodenlose Empathielosigkeit deutscher Intellektueller nach dem Anschlag. Man hätte die Terroristen mit sauberen Energien bekämpfen sollen, meint Timothy Snyder in der SZ. Die Täter waren Hamburger, so nochmals die FAZ.

Bücherschau des Tages

Meer an Täuschungen

11.09.2026 Die FR geht mit Souvankham Thammavongsa zur Maniküre in Susans Nagelstudio und lernt allerhand über Klassismus. Ergriffen liest die NZZ, wie sich Jean Rolin an seine Leidenschaft für Josephine, die drogensüchtige Ex-Frau von Felix Guattari, erinnert. Die Welt erlebt in Mirko Bonnés "Kanzlerkino" eine Alternativweltgeschichte. Dlf Kultur folgt Oskar Roehler bei seiner halsbrecherischen Selbstwerdung. Wenn die Zeit eine Kolumne ablehnt, ist das noch keine Zensur, erklärt der Dlf Ai Weiwei.

Samstag, 12.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Klingende Gegenwart des Mannes, den er liebte

12.09.2026 Die FAZ dokumentiert einen Briefwechsel zwischen der Dichterin Esther Kinsky und einer  Sheba genannten afghanischen Autorin, die Kinsky die Tradition der paschtunischen Landay-Dichtung erklärt. Die taz betrachtet in der Kunsthalle Gießen kongolesisch-deutsche Kunst der Verwandlung von DUO. In der FAS kritisiert Volker Kutscher den verschwörungstheoretischen Umgang der ARD-Serie "Babylon Berlin" mit historischen Fakten seiner Romanvorlage. nachtkritik überlegt, wie die Berliner Bühnen in Zeiten einer Rekordverschuldung Berlins zu retten sind. War Chopin schwul, fragt die FAZ, und wenn ja, ist das zu hören?

9punkt - Die Debattenrundschau

Abwehr des Eingefrorenen

12.09.2026 Der Schock von Sachsen-Anhalt sitzt tief: Der Historiker Volker Weiß weist in der FR auf eine Hauptinspirationsquelle Ulrich Siegmunds hin: Die FPÖ mit ihrem Vorbild Jörg Haider. Ines Geipel deckt in der SZ historische Besonderheiten Sachsen-Anhalts auf - aber auch das Selbstbild des Westens ist erschüttert. Außerdem: Wolfgang Kraushaar beleuchtet in der FR den Einfluss des KGB auf die RAF. Die Welt publiziert Briefe von Holocaust-Überlebenden, die direkt nach 1945 geschrieben wurden. Die taz fragt: Was verdanken die iranischen Frauen dem Mossad? In der SZ schreibt Güner Balci über Faten Ben Omar, eine der Toten von Ceuta.

Bücherschau des Tages

Himmlische Melancholie

12.09.2026 Die FAZ schöpft neue Houellebecq-Hoffnung mit dessen schwebend-exzentrischem Gedichtband "Der stets verlorene Kampf": Vielleicht kommt doch noch ein letzter schöner Roman? Die FR lässt sich mit Christoph Sators "La vie en rose" zu hundert französischen Chansons verführen. Die SZ taucht mit Gillian Andersons "More" in die sexuellen Phantasien unzähliger Frauen ein. Die taz lernt von Manuela Müller, warum die Jugend wieder Hakenkreuze malt. Der Dlf erlebt mit dem autistischen Autor Woody Brown "Ein ganz normales Wunder".

Montag, 14.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Ich hab keine Einstellung, ich hab ein Wirtshaus

14.09.2026 May el-Toukhy gewinnt in Venedig den Goldenen Löwen: Die Kritiker sind uneins über diese Auszeichnung. Insgesamt sind die Zeitungen mit dieser Ausgabe des Festivals aber sehr zufrieden. Jan-Christoph Gockels Inszenierung des "Schwejk"-Stoffes am Schauspiel Frankfurt ist für die Feuilletons der helle Wahnsinn. Die Zeit gerät beim Pariser Celine-Dion-Konzert ins Schwärmen. Der Tagesspiegel lernt auf der Kunstmesse Positions Ramazan Cans Werk kennen, das die Lebensweise der Nomaden mit modernem Neon verbindet.

9punkt - Die Debattenrundschau

Ob ich einen kurzen Rock trage oder nicht

14.09.2026 Die FAZ beschreibt die Sorgen der Ukraine vor dem Winter - währenddessen fordern Trump und Kushner die Ukraine auf, endlich klein beizugeben. Im Freitag will Mithu Sanyal nicht kriegstüchtig werden. In Zeit online befürwortet der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide das österreichische Kopftuchverbot an Schulen für Mädchen unter 14 Jahren. In der taz erklärt Güner Balci, warum sie sich von Linken total im Stich gelassen fühlt. In der FAZ ist sich Steffen Martus sicher: Der Literaturbetrieb hat keine Wahl außer Caroline. 

Bücherschau des Tages

Warnung für alle Zukunft

14.09.2026 Die SZ lässt sich von Isabel Schayani berührende Geschichten von gelingenden Freundschaften zwischen Russen und Ukrainern, Israelis und Palästinensern oder Rechten und Linken erzählen. Eva Menasses neuer Roman erscheint der SZ wie das Buch zur Wahl in Sachsen-Anhalt. Außerdem empfiehlt sie dringend H. G. Adlers „Der verwaltete Mensch“ über die Rolle der Bürokratie hinter der Deportation der Juden. Die FR sucht mit Vigdis Hjorth unter Vergessenen in einer norwegischen Kneipe nach Hoffnung. Der Dlf sinniert mit Ingo Schulze über eine utopische DDR.

Dienstag, 15.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Ohne naturalistisches Grunzen

15.09.2026 critic.de birgt in Venedig einen frisch geschliffenen Diamanten mit Lav Diaz' Film über spanischen Kolonialismus auf den Philippinen. Israels Kulturminister Miki Zohar will Yuval Abraham und Rachel Szor wegen ihres Films "Naza" die israelische Staatsbürgerschaft entziehen, und Ulf Poschardt applaudiert, notiert die SZ. Die FAZ blendet die Splattermovies in Matthew Wilds Inszenierung der Tschaikowski-Oper "Mazeppa" in Frankfurt aus - und erliegt der betörenden Musik. In der SZ plädiert die Architektin Almut Grüntuch-Ernst für mehr "Hortitecture". 

Magazinrundschau

Hand in Hand mit der Liebe

15.09.2026 Swetlana Alexijewitsch spricht in Meduza über "Menschen der Kriegskultur".  Der New Yorker porträtiert den Trump-Gesandten Jared Kushner als Virtuosen des Win-Win. Aber auch Donald Trump Jr. geht es bestens - er ließ sich laut Propublica seine Hochzeitsfeier von einem Putin-Vertrauten bezahlen.  Elet es Irodalom begleitet die Regierung Peter Magyars nun doch mit einiger Skepsis. In der London Review of Books schwärmt Literaturwissenschaftler Colin Burrow über Gedichtbesprechungen der amerikanischen Kritikerin Helen Vendler.

9punkt - Die Debattenrundschau

Und auf diese Weise Geborgenheit erfahren

15.09.2026 Alle fragen, wie der Erfolg der AfD zu erklären sei und wie man sie am besten bekämpft. Ganz einfach, sagt Carolin Amlinger in der taz, mit "antifaschistischer Politik", und natürlich indem man Wohnungen zum Zehnfachen des Preises zurückkauft, zu dem man sie einst verkauft hatte, ergänzt der Historiker Uwe Fuhrmann ebenfalls in der taz, und mit "mehr Teilhabe, keiner Kapitulation der Politik vor der Ökonomie", fordert Ingo Schulze in der NZZ. Außerdem: KI muss nicht das Ende der Demokratie bedeuten, erklärt Taiwans Ministerin für Digitales Audrey Tang in Zeit Online.

Bücherschau des Tages

Feier des Hässlichen

15.09.2026 Die FAZ streift mit dem Ökologen Frank Ashwood durch neuseeländische Wälder und untersucht Asseln und Pilze. Von Karen Hagemann wird sie an die Rolle der Frau in den Kriegen Europas erinnert. Die FR warnt vor der Lektüre von Michel Houellbecqs Gedichten, die ein finsteres Bild der Gegenwart mit Bürgerkriegen, Feuersbrünsten und Mörderbanden malen. Die NZZ zieht sich mit Gabriela Adamesteanu lieber direkt in die Entrücktheit der rumänischen Kartpaten zurück. Und der Dlf verabschiedet mit Jachym Topols daueralkoholisiertem Prager Journalisten das europäische Freiheitsversprechen.

Mittwoch, 16.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Entlastung oder Idyll sind nie

16.09.2026 Die Welt erkennt in Paris, dass Tintoretto auch in bescheidenen Formaten das ganz große Spektakel liebte. Die FR sammelt in Frankfurt mit Bildern der Künstlerin Amiel Bashier Kraft zum Kampf für die Freiheit von Frauen. Die FAZ erinnert die israelische Regierung mit Blick auf Yuval Abrahams und Rachel Szors "Naza" daran, dass der IDF eine demokratische Armee ist. VAN wünscht sich nach dem Musikfest Berlin, öfter Werke von Vladimir Jurowski zu hören.

9punkt - Die Debattenrundschau

Dieses "Geht doch" geht kaum noch

16.09.2026 Das Angebot an Erklärungen für den Erfolg der AfD ist inzwischen unüberschaubar - die Zeitungen überbieten sich auch heute. Die prominentesten Deuter sind heute Gertrude Lübbe-Wolff, Elisa Hoven, Frauke Rostalski, Marco Vöhringer, Ines Hackethal, Deniz Yücel, Boris Palmer und Detlef Pollack. Außerdem: Putins Angriffe auf die EU und Deutschland haben eine neue Qualität, warnt die Zeit. Dort spricht auch Bill Gates über die Gefahren von KI. Kamel Daoud kommt in Le Point auf Zohran Mamdanis blumige Rhetorik beim Gedenken an den 11. September  zurück.

Bücherschau des Tages

Aus Sicht einer Stubenfliege

16.09.2026 Als literarisches Virtuosenstück würdigt die FAZ Adania Shiblis neuen Roman, der vom Schicksal der Palästinenser erzählt. Atemlos folgt die taz mit Alisha Gamish drei russlanddeutschen Frauen aus drei Generationen von Novosibirsk bis Fürstenfeldbruck. Der Dlf lernt Sigrid Nunez nun auch als Meisterin der Short Story kennen. Dlf Kultur bewegt sich mit Dora Kaprálová stroboskopisch durch Maribor und begleitet Klara Wang Tylova in sechs schillernden Geschichten zu den "Geistern von Taipeh".

Donnerstag, 17.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Wer sich hier kopfschüttelnd fremdschämt

17.09.2026 Der 7. Oktober war ein "abgebrochener Holocaust-Versuch", sagt Maxim Biller in der Zeit. Ebenda erklärt Naomi Beckwith, neue künstlerische Leiterin der Documenta, wie sie mit dem Antisemitismusproblem in der Kunst umgehen will. Angesichts der Affäre um Ed Sheeran und den Rapper Macklemore fragen sich die Zeitungen, ob überhaupt noch eine Veranstaltung ohne politischen Bekenntniszwang möglich ist. Die FAZ blickt außerdem im Städel auf tausend Jahre Maria Magdalena. Und der Perlentaucher bewundert, wie empathisch Marie Kreutzer von Kindesmissbrauch erzählt.

9punkt - Die Debattenrundschau

Das ganze Land bebt

17.09.2026 "Russlandversteher! Ich verstehe euch nicht", ruft in der SZ der russisch-schweizerische Schriftsteller Alexander Estis. In FAZ und taz singen der Schweizer Historiker Thomas Maissen und der Ethnologe  Olaf Zenker je ein Liebeslied auf Deutschland und seine Demokratie. In der Welt fragt sich Güner Balci, welche Brücken die Spitzenkandidatin der Berliner Linken Elif Eralp in einer Hamas-freundlichen Moschee bauen will. In der Zeit erklärt Mouhanad Khorchide, warum er einen liberalen Islam lehrt - zur Not auch unter Polizeischutz. Die FAZ berichtet von einem bizarren Streit um das Kennedy-Center in Washington.

Bücherschau des Tages

Oft stinkt die Welt

17.09.2026 Die FAZ liest interessiert Matthias Häusslers Buch über die Kriege der OvaHerero und Nama gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Die SZ träumt sich mit den 50 Songs, die der Journalist Daniel Haaksman zusammengetragen hat, nach Rio de Janeiro. Außerdem stellt sie dank Hans Woller fest: Zumindest über den politischen Thomas Mann gibt es durchaus noch Neues zu lernen. Die Zeit erlebt mit Colin Barrett Gewalt und Rausch im Drogenmilieu in Westirland. Überwältigt liest die FR, wie Boualem Sansal seine Zeit im Gefängnis beschreibt.

Freitag, 18.09.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Wie ungern schauen wir hin?

18.09.2026 Mit zwölf Jahren Verspätung ist die 1,5 Milliarden teure Sanierung des Schauspiels Köln fertig: Dafür kann man jetzt in akustisch optimierten Sesseln sitzen, staunt die SZ. Die taz geht in Bonn über die zeitgenössische Brücke, die die Malerin Chunqing Huang zu August Macke schlägt. Die Theaterkritiker lauschen überwältigt dem Fauchen der 48-fach geteilten Streicher in Barrie Koskys Inszenierung von Aribert Reimanns Oper "Lear". Und BackstageClassical fragt sich, welchen Einfluss öffentlich-rechtlicher Sender wie ZDF und Arte mit Medienproduktionen auf den Klassik- und Opernbetrieb haben.

9punkt - Die Debattenrundschau

Das fordernde Tschilpen

18.09.2026 In der SZ stellen die Journalisten Shahrzad Osterer und Richard C. Schneider keine gute Prognose für die USA nach den Midterms und Israel nach den Wahlen. Analysen reichen nicht, wir brauchen Visionen: FAZ-Autor Simon Strauß schlägt ein neues "Fahnenwort" vor, um den Zwiespalt in Deutschland zu heilen. Die Welt fragt: Wie geht Labour mit Antisemitismus um in einem Land, wo zwanzig Prozent der Jugendlichen den 7. Oktober gerechtfertigt finden? Wer ist eigentlich "Campact", fragen die Ruhrbarone. Und jetzt haben sogar die Spatzen die Nase voll von Berlin, seufzt die FAZ.

Bücherschau des Tages

Hier, unter der Glasglocke

18.09.2026 Die FAZ hört das innere Wüten in den Gedichten des jung gestorbenen dänischen Lyrikers Michael Strunge. Die FR empfiehlt Veronika Peters' "Mehr Leben als geplant" als Mutmach-Roman. Die SZ lobt Philipp Ruchs "Der Rückfall" über die Wahlen im September 1930 für seine Deutungsfrische. Angehenden Autoren rät die FAZ zu Isabel Allendes "Unsere Geschichten": Dort lernt man, Schreiben als "mysteriösen, organischen und intuitiven Prozess" zu verstehen.

Samstag, 19.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Es wird zum Monster, wenn es regiert

19.09.2026 In einer Demokratie kann keine Wahl eine siegreiche Partei dazu autorisieren, die Grundsätze der Gleichachtung zu missachten, meint in der FR der Politologe Rainer Forst mit Blick auf die AfD. Ein AfD-Verbot würde wohl eine Staatskrise auslösen, warnt Heinrich August Winkler indes in der FAS. Im Guardian rät Timothy Garton Ash dazu, von Artikel 37 des Grundgesetzes Gebrauch zu machen. KI macht uns dümmer, glaubt der Medienphilosoph Roberto Simanowski ebenda. Pessimismus aber auch, sagt der Soziologe Aladin El-Mafaalani in der SZ. In der NZZ skizziert die Politikwissenschaftlerin Elham Manea das feministische Dilemma um das Kopftuch.

Efeu - Die Kulturrundschau

Keine Angst mehr vor Figuration

19.09.2026 Die Theaterkritiker erleben einen ziemlich sanften Frank Castorf in dessen "Mephisto"-Inszenierung am Berliner Ensemble. Der Dokufilm "Musk" wird wohl außerhalb der USA erstmal nicht ins Kino kommen, Elon Musk macht Druck, weiß die FAZ. Die SZ dankt dem Zahnarzt Uwe Neumann für die Rettung der Kunsthalle Rostock. Musikkritik ist nicht tot, beruhigt die taz. Literatur ist keine Brücke, sondern eine Leiter in unsere Abgründe, meint in der FAZ der Lyriker Tadeusz Dąbrowski. Und die FAS schläft einen ganzen Tag im Pokéball.

Bücherschau des Tages

Mit enormer Kieferkraft

19.09.2026 Wertvoll findet die taz die Traumanalysen von Shoah-Überlebenden, die Christiane Sollte-Gresser in ihrem Essay versammelt. Von Rolf G. Heinze und Sebastian Kurtenbach lernt sie: Die Wohnkrise ist nicht mehr aufzuhalten. Die FAZ ist dankbar, dass die Kunsthistorikerin Judith Rottenburg den Blick auf die Ästhetik afrikanischer Kunst lenkt. FAS und NZZ amüsieren prächtig mit Stefanie Sargnagel auf dem Oktoberfest, können aber nur hoffen, dass vieles ausgedacht ist. Der Dlf fällt mit Marlen Mairhofers „Alice“ aus der Liebe heraus über Kuchen her. Außerdem staunt er, wie Munir Hachemi seine Erzählung über Massentierhaltung mit Breton und Bolano würzt. 

Montag, 21.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

So simpel wie radikal

21.09.2026 Ok, zumindest war's das für dieses Jahr mit historischen Wahlen. In Mecklenburg-Vorpommern sinkt die CDU erstmals in allen Landtagswahlen unter 5 Prozent. In Berlin könnte die Partei Die Linke nach 37 Jahren wieder das Ruder übernehmen. Die taz feiert mit, andere Stimmen sind distanzierter. Außerdem: Srebrenica war nur die letzte Episode einer genozidalen Kampagne, erinnert Hasan Nuhanović, Überlebender des Massakers, in der FR. Auch die NZZ kommt auf den serbischen Nationalismus zurück. KI-Warnungen haben weiterhin Hochkonjunktur.

Efeu - Die Kulturrundschau

Wie galaktische Hexen

21.09.2026 An der Deutschen Oper erleben die Kritiker in Karlheinz Stockhausens Oper "Mittwoch aus Licht" esoterischen Wahn samt Streichquartett in fliegenden Helikoptern. Im Gropius Bau entdecken die Kritiker migrantische Kunst, die seit den 1960er-Jahren entschieden die Kreuzberger Szene mitprägt. Auf dem Filmfestival Toronto kann die FAZ die Bruchlinien sehen, die sich zwischen chinesischem, amerikanischem und europäischem Kino auftun. Die Posener Synagoge verfällt, obwohl sie ein bedeutender Erinnerungsort ist, klagt die Kulturhistorikerin Agnieszka Pufelska in der NZZ.

Bücherschau des Tages

Knallroter Warhol-Widder

21.09.2026 Die SZ untersucht mit Peter-Andre Alt, wie es die deutschen Kanzler mit den Intellektuellen hielten. Die FAZ wünscht Sylvester Groths Lesung des Orwell-Klassikers "1984" viele Hörer. Dlf wird im Jugendbuch von Rüdiger Bertram und Heribert Schulmeyer Zeuge einer unerwarteten Freundschaft zwischen Kriegsfronten. Dlf Kultur buddelt mit Frank Ashwood in der Erde und findet dort schrumpelnde Bärtierchen und durchsichtige Tausenfüßler. Mit Ferren Gipson deutet sie die Sterne am Firmament der Kunstgeschichte. 

Dienstag, 22.09.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Widerspruch ist Pflicht

22.09.2026 Die FAZ verliert den Glauben an CDU und FDP und wünscht sich eine neue bürgerliche Partei mit einer Zukunftserzählung. In der Zeit fürchtet der Publizist Roger de Weck um die Westbindung Deutschlands, die er von rechts, links und der SPD angeknabbert sieht. Güner Balci fragt sich im Spiegel  beklommen, warum sich die Remmos und die Islamisten auf der Wahlparty der Linken so wohlfühlen konnten. Wer Antisemiten nicht mehr widerspricht, wird in Strategie und Methode der AfD immer ähnlicher, warnt die SZ. Außerdem: Wolfgang Kraushaar kommt im Perlentaucher auf den Mordanschlag  auf das jüdische Altenheim in München 1970 zurück.

Efeu - Die Kulturrundschau

Die seltsame Unwucht

22.09.2026 Die FAZ ist beeindruckt von der Subtilität, mit der Adi Boutrous in seinem Tanzstück "Nature of a fall" die extreme Gewalt des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober auf die Bühne bringt. In New York wird die Zeit von Philip Gröning mit einer Klanginstallation daran erinnert, dass jeden Tag 550 Menschen in Kriegen sterben. Der Filmdienst denkt über die Verwandtschaft der Filme Valeska Grisebachs mit dem italienischen Neorealismus nach. Die Literaturwelt trauert um die Verlegerin Antje Kunstmann. 

Magazinrundschau

Obsession statt Gefühle

22.09.2026 Izabella Tabarovsky, Expertinnen für die Geschichte des linken Antizionismus, erkundet in Tablet, welchen Anteil Kurt Waldheim an der Dämonisierung Israels in der UN hatte. Verstka besucht nahe Moskau eine von Putin errichtete folkloristische Kopie Russlands. New Lines erzählt wie der marokkanische Staat für die Fußball-WM reihenweise Wohnhäuser abreißt. Critic.de stellt Yasuzo Masumura vor, eine rätselhafte Figur der japanischen Nouvelle Vague. Der New Yorker watet in Israel durch den Sumpf des Qatargate-Skandals.

Bücherschau des Tages

Preiswürdige Wundertüte

22.09.2026 Die FAZ schwelgt in John Horne Burns einzigem Roman, der die Begegnungen zwischen US-Soldaten und Italienern in Neapel gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schildert. Die FR freut sich, dass Johann Peter Hebels neu herausgegebene Kalendergeschichten auch heute noch Hoffnung stiften. Die NZZ holt mit Shida Bazyars "Die Lücken" die verdrängte NS-Geschichte eines Hunsrücker Dorfes ans Licht. Die Welt hebt mit Stefanie Sargnagel ein paar Maß auf der Wiesn. Und Dlf empfiehlt Barbaros Altugs Roman über einen jungen schwulen Mann, der in die Türkei zurückkehren muss. 

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Gegen den Hass: Sechs bewegende Geschichten über unerwartete Freundschaften Unzählige Beziehungen zerbrechen, weil Freunde unvermittelt und unerwartet verfeindeten Lagern…
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Helene Bracht, die erst mit fast siebzig Jahren zum Schreiben fand, erzählt von uns allen, indem sie von ihrer Mutter erzählt. Voller Wucht und Schönheit beschreibt sie den…
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