9punkt - Die Debattenrundschau
Ob ich einen kurzen Rock trage oder nicht
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
Europa
Donald Trump sieht das Problem unterdessen bei der Ukraine. "He has to stop to knock out Diesel Fuel", sagte er am Rande eines Golfturniers in Irland, während sein Unterhändler Jared Kushner in einem ebenfalls in den sozialen Medien kursierenden Video darüber nachdenkt, wie man Putin helfen kann, seine Ziele zu erreichen.
BREAKING: Trump calls on Zelenskyy to stop striking Russian diesel refineries, warning the attacks are "hurting the world" by contributing to a diesel shortage.
- Fox News (@FoxNews) September 13, 2026
"He has to stop knocking out diesel fuel in Russia," Trump says, adding that Ukraine can go after "plenty of other… pic.twitter.com/HYGYlUTwNn
Ebenfalls auf Twitter kursiert ein Interviewausschnitt mit Alice Weidel über ihre ukrainepolistischen Vorschläge - geäußert hat sie das in einem rechtsextremen Kanal:
🚨 𝗔𝘂𝗳𝘁𝗿𝗮𝗴 𝗮𝘂𝘀 𝗠𝗼𝘀𝗸𝗮𝘂 🚨
- Schlanggl 🇩🇪🇺🇦🤍💙💛🥨🍻 (@i_iangg) September 13, 2026
AfD-Chefin Alice Weidel zu Ukraine:
Wir werden die Zahlungen an die Ukraine einstellen und jegliche Unterstützung für den Krieg, und wir werden auch erhebliche Rückzahlungsforderungen an die Ukraine stellen.
pic.twitter.com/11xkvekDT8
Zugleich fordert die BSW-Politikerin Sevim Dagdelen den Austritt Deutschlands aus der Nato - stattdessen will sie eine Annäherung Deutschlands an die Länder der "Brics"-Gruppe (zu der Iran, Russland und China gehören)- Peter Ansmann berichtet für die Ruhrbarone.
Anne Applebaum antwortet auf Trump und Kushner:
Your regular reminder: If the Russians stop fighting, the war ends. If the Ukrainians stop fighting, their land will be occupied, their leaders will be killed, their history and language will be erased, their children will be kidnapped to serve Russia.
- Anne Applebaum (@anneapplebaum) September 14, 2026

Seit dieser Woche dürfen muslimische Mädchen unter 14 Jahren an Österreichs Schulen kein Kopftuch mehr tragen. Verstöße werden mit einer Geldstrafe geahndet. Das ist nicht schön, aber wohl doch hilfreich, meint im Interview mit Zeit online der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide. "Ich bin kein Fan von Verboten. Aber es ist schon so, dass man dadurch wahrscheinlich sehr viele Mädchen davor schützen wird, gegen ihren Willen ein Kopftuch zu tragen. Die Behörden gehen nach Hochrechnungen von 12.000 aus." Der Koran biete jedenfalls keine Rechtfertigung für das Kopftuch Minderjähriger, es widerspreche vielmehr den "islamischen Prinzipien mündiger Religiosität". Der Druck gerade auf Kinder, das Kopftuch anzulegen, sei dennoch sehr groß. Und für 18-Jährige sei es später fast unmöglich, es wieder abzulegen, erklärt Khorchide: "Die Community würde es dann als eine Distanzierung von Frömmigkeit verstehen, als hätte sie ein Problem mit dem Islam insgesamt. Viele konservative Familien würden das als ein Zeichen moralischen Verfalls bewerten. Deshalb ist es so wichtig, das frühe, unreflektierte Tragen zu verhindern."

Worin liegen die Gründe für die Erfolg der AfD, fragt Oliver Weber im Aufmacher des FAZ-Feuilletons. Die Frage ist nicht ganz neu, gibt er zu - nur lasse sich bisher nicht behaupten, dass es eine wirklich überzeugende Erklärung gebe. Woher "diese seltsame Kluft zwischen Krisenrhetorik und Krisendeutung?" Erklären kann er es nicht, auch die Rechtsextremen selbst liefern bisher keine plausible Selbsterklärung. Nur eines ist klar: "Wenn es stimmt, dass es sich bei dem Aufstieg des Rechtspopulismus um mehr handelt als eine irrationale Stimmung oder eine monothematische Beschwerde, wenn sich dahinter tatsächlich ein Strukturproblem von historischer Tragweite verbirgt, wird sich in den nächsten Jahren alles daran entscheiden, ob das politische System in der Lage ist, eine handlungsleitende Theorie dessen zu entwickeln, was der verworrenen Unzufriedenheit wirklich zugrunde liegt." Ebenfalls in der FAZ fällt Stefan Rebenich auf, dass deutsche Parteien kaum noch einen qualitätsvollen Umgang mit der Geschichte pflegen: "Politik wird betrieben, ohne dass Geschichte noch zum Instrumentarium des politischen Urteils gehört."
In der Welt beklagt Thomas Schmid die "dröge Routine", mit der Politiker und Journalisten auf den Wahlsieg der AfD reagieren. Und warum soll bitte Friedrich Merz am Wahlerfolg der AfD Schuld haben und nicht ihre Wähler? "Der Wähler hat auf den Tisch gehauen, um von Zumutungen verschont zu werden. Er ist am Stillstand ebenso schuld wie die sich selbst blockierende Bundesregierung. Ist das illegitime Wählerbeschimpfung? Wohl kaum. Der Wähler kann wählen, was und wen er will. Er steht damit aber nicht unter Naturschutz. Der König der Disruption, Donald Trump, hat gerade versprochen, im Falle eines Wahlsiegs der Republikaner bei den Midterm-Wahlen im November jedem US-Bürger eine "Trump-Dividende" von 5.000 Dollar zukommen zu lassen. Einfach so. Diese Art des Wählerkaufs und der unverblümten Bestechung steht in diametralem Widerspruch zu der Politik von Friedrich Merz, der zu Recht auf jegliche Heilsversprechen verzichtet. Und er tut es auch dann, wenn es ihm schadet. Das könnte man an ihm eigentlich schätzen."
In der NZZ berichtet Beat Stauffer über marokkanische Blogger, die versuchen, den Ansturm der Flüchtlinge in Ceuta "mit politischen und religiösen Argumenten zu legitimieren" und nennt als Beispiel den Influencer Abderrahim X. Der berichtet auf Youtube über die schreckliche Lage der "Harraga" genannten Flüchtlinge. "Er weist aber auch darauf hin, dass die 'Harraga' nach Ceuta in 'ein besetztes marokkanisches Territorium' geflohen seien. In einer nächsten Sequenz stimmen die sechs jungen Männer die Nationalhymne an und lassen den marokkanischen König Mohammed VI. hochleben. Sie seien aufgrund schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse geflohen, hassten aber ihr Land keineswegs und seien 'keine Verräter'. Eine ähnliche Botschaft vermitteln die vielen Posts eines anderen Influencers namens Otman Hana. Er versteht sie als 'Aufruf an junge Marokkaner, die Stadt Ceuta zu befreien und in einem ersten Schritt überall Zelte aufzustellen'."
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Auch Lisa Hegemann sieht in Zeit online einige Widersprüche in dem Wunsch, die KI-Entwicklung von einer NGO überprüfen zu lassen, wie es Anthropic-CEO Amodei fordert: "Der Anthropic-Chef nennt als Beispiel für solche externen Aufpasser konkret die Nichtregierungsorganisation METR. Doch die Organisation ist von einer Frau gegründet worden, die früher für OpenAI und Googles DeepMind arbeitete. Nicht alle halten die NGO deshalb für unabhängig. Die KI-Ethikerin Timnit Gebru verglich diese Art der Kontrolle mit einer Strategie, die auch die Tabakbranche eingesetzt hätte: Die Unternehmen und Milliardäre finanzierten Institutionen und zitierten deren Einschätzungen dann, als seien es unabhängige Experten, schrieb sie auf der Plattform X. Das METR-Institut bewirbt auf seiner Website seine Partnerschaften mit Anthropic, OpenAI und Google, betont aber, kein Geld von Angestellten der KI-Firmen anzunehmen."



