Die Kriege der OvaHerero und Nama gegen die deutsche Kolonialherrschaft
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406851896 Gebunden, 316 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Mit neun Abbildungen und zwei Karten. Der erste Genozid des 20. Jahrhunderts: Deutschlands blutige Kolonialvergangenheit Deutsch Südwestafrika, 1904: Die OvaHerero erheben sich gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Bei dem Versuch, ihren Widerstand zu brechen, begehen deutsche Truppen den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts. Später nehmen auch die Nama den Kampf auf. Matthias Häussler erzählt erstmals die ganze Geschichte der blutigen Kriege im heutigen Namibia. Er habe sich die "Last der Sonne" aufgeladen und sie werde ihn erdrücken, prophezeite der Nama-Führer Hendrik Witbooi dem OvaHerero-Führer, Kamaharero, als dieser 1890 den Schutzvertrag mit dem Deutschen Reich unterschrieben hatte. Er sollte recht behalten.Erst 2021 hat Deutschland den Völkermord an den OvaHerero anerkannt und sich offiziell entschuldigt. Doch noch immer ist die deutsche Kolonialvergangenheit nicht wirklich aufgearbeitet. Wie kam es zu den Verbrechen der kaiserlichen Truppen im heutigen Namibia? Und sind sie wirklich Vorboten des Holocaust, wie manche behaupten? Matthias Häussler zeigt in seiner Darstellung, wie die Gewalt langsam eskalierte und sich der Völkermord eher aus den Rahmenbedingungen und einem überzogenen Herrschaftswillen speiste als aus einer genozidalen Absicht. Dabei beschreibt er die OvaHerero und die Nama nicht bloß als ohnmächtige Opfer, sondern bewusst als eigenständige Akteure, deren Fähigkeiten und Erfolge die Kolonialherren mehr als einmal überraschten und ihren Vernichtungswillen erst richtig anstachelten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2026
Das Interesse an der deutschen Kolonialgeschichte ist im letzten Vierteljahrhundert stark gestiegen, meint der hier rezensierende Historiker Andreas Eckert. Wenn die Aufmerksamkeit dafür jetzt allerdings langsam wieder schwindet, liegt das nach Ansicht des Bochumer Historikers Matthias Häussler auch daran, dass bislang die historischen Werke zu dem Thema kaum für ein breiter gestreutes Publikum geschrieben sind - eine Lücke, die Häussler mit seinem Buch schließen will, referiert der Kritiker. Und tatsächlich: Das Buch ist "zugänglich" geschrieben, analysiert insbesondere die Deutschen in Südwestafrika, die ihre kurze Kolonialzeit mit einem Völkermord krönten, "sehr differenziert" und beschreibt auch das vorkoloniale Namibia differenziert, lobt Eckert. Skeptischer ist er, wenn Häussler die Nama und Herero als "handlungsmächtige, afrikanische Subjekte" (Häussler) beschreibt, die nicht in eine simple Täter-Opfer-Schablone passen. Da fehlen Eckert Bezüge zur Kolonialforschung, die sich bereits mit "Spielräumen der Kolonisierten" auseinandergesetzt habe. Erwähnenswert findet er auch, dass Häussler nicht diskutiert, ob der Völkermord in Südwestafrika eine Art Vorläufer des Holocaust war.
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