Anton und Alma
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432976
Gebunden, 542 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren an derselben Universität - doch das ist auch schon alles, was sie verbindet. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem lieblosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma bleibt allein zurück und sucht Halt in Antons Gemeinde. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs, die polarisierte Stimmung sowohl auf dem Campus als auch in seiner eigenen Familie lassen Anton zu Alma zurückkehren, bei ihr Trost und Zuflucht finden. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 05.09.2026
Maike Albath staunt, wie geschickt und mitreißend Dana Vowinckel die Liebesgeschichte zweier Sechzehnjähriger zwischen Berlin, Genf und New York in allen Phasen erzählen kann, temporeich, humorvoll, überraschend und mit zeitgeschichtlichen Einschüben. Entstanden ist eine "grandiose Romanze" der Jetztzeit, meint Albath. Der wendungsreichen Beziehung der beiden Protagonisten folgt sie auch deshalb so gern, weil Vowinckel abwechselnd beide Perspektiven anbietet, so dass Reibung entsteht. Gut gemachte Dialoge und Milieuschilderungen tragen zur Unterhaltsamkeit des Romans bei, erklärt Albath, die Ähnlichkeiten des Romans zu den Büchern von Hustvedt und Franzen ausmacht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2026
Insgesamt positiv bespricht Rezensentin Eva Goldbach Dana Vowinckels zweiten Roman. In dessen Zentrum steht das Auf und Ab einer Beziehung: Alma liebt Anton und mit etwas Verzögerung liebt Anton auch Alma, aber es bleibt stets etwas Asymmetrisches in dieser Liebesgeschichte, die abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Liebenden erzählt wird: "Immer erst Anton, dann Alma". Die Handlung spielt in Berlin und im akademischen Milieu, wobei die sozialen Umstände, in denen sich die Figuren bewegen, für Goldbachs Begriffe oft ein wenig zu kurz kommen. Jedenfalls ist Anton Jude und Alma, in deren Familiengeschichte möglicherweise NS-Täter zu finden sind, sucht ebenfalls Zuflucht im jüdischen Glauben. Was Goldbach letztlich für das Buch einnimmt, ist freilich vor allem die intime Beziehungsgeschichte der beiden Hauptfiguren - Vowinckel findet starke Bilder für die Gemütszustände von Alma und Anton. Eine "Liebe, in der sich der gesamte Weltschmerz" widerspiegelt, findet die Rezensentin in diesem vor allem sprachlich überzeugenden Buch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.09.2026
Rezensentin Marie Schmidt hält sich zurück und verrät nichts über den Ausgang der Liebesgeschichte zwischen zwei Zwanzigjährigen in Dana Vowinckels neuem Buch. Die Hürde des undankbaren zweiten Romans nimmt die Autorin locker und absolut überzeugend, findet Schmidt jedenfalls. Indem sie über Liebe in Zeiten von Pandemie, Kriegen und Krisen und veränderten Beziehungskonventionen schreibt, zieht Vowinckel Schmidt mit alltagstreuen Details in ihren Bann. Für Schmidt ein gelungenes Beispiel für einen dem amerikanischen Realismus verpflichteten Roman, der den Leser an jeder Entscheidung in der geschilderten Beziehung teilhaben lässt, erklärt die Rezensentin. Vowinckels Loyalität zu ihren Figuren, die echt wirkenden Dialoge und eine "lebenssatte" Atmosphäre nehmen Schmidt für den Text ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.08.2026
Rezensentin Judith von Sternburg sortiert den zweiten Roman von Dana Vowinckel in die vorderste Reihe deutschsprachiger Literatur. Die vielschichtige Liebesgeschichte zweier Mittzwanziger erzählt die Autorin laut Sternburg sehr heutig, witzig und intelligent. Anregend erscheint Sternburg, dass sich der Text zwischen Satire, Komödie, Tragödie und Romanze nicht entscheiden kann. Die komplizierten Lebensgeschichten im Buch erscheinen Sternburg dadurch nur umso wirklichkeitsnäher. Anton studiert Geschichte und ist Jude, Alma ist diejenige, die in ihrer Familie als erste Abitur macht und überlegt später, zum Judentum zu konvertieren. Es geht auch darum, wie die beiden den 7. Oktober und den antisemitischen Anschlag in Halle wahrnehmen, lesen wir, und wie ihr Umfeld darauf reagiert. Die verschiedenen Fragen der Zugehörigkeit verhandelt die Autorin "ergebnisoffen" und Konflikte verlaufen immer wieder überraschend. Vowinckels Dialogwitz und Zeitgefühl und die geschickten Perspektivwechsel findet Sternburg höchst attraktiv, die Liebesgeschichte berührend. Ein so "fröhlicher wie abgründiger" Roman über das Leben und Lieben heute, freut sich die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.08.2026
"Sensationell" findet Volker Weidermann diesen für den Deutschen Buchpreis nominierten Liebesroman von Dana Vowinckel: Anton und Alma kennen sich seit der Jugend und seit der ersten Sekunde ist Alma unsterblich in ihn verliebt, was sie ihm erstmal nicht zeigen will. Sie träumt heimlich von ihm, von Anton als "geliebtem Gespenst", auf das sie jegliche Handlung ausrichtet, Vowinckel beschreibt das so eindrücklich wie romantisch wie wahnsinnig cool, findet Weidermann. "Furchterregendes Glück" ist es, dass sich auch Anton schnell in sie verliebt, aber alles ist auch reichlich kompliziert, nicht zuletzt deshalb, weil hier ein Jude und eine Deutsche mit Tätervorfahren aufeinandertreffen, wie wir erfahren. Für den Kritiker sind das die stärksten Passagen eines an starken Passagen nicht armen Romans; die Autorin schreibt über die großen Probleme unserer Zeit, die spätestens am 7. Oktober 2023 implodieren: "Phänomenal", wie sie diese Brüche und Spannungen mitten in einer Liebesgeschichte erfahrbar macht, bekräftigt der begeisterte Kritiker.