Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.08.2000
Ein Freund Döblins ist der "damals angesehene Professor für Psychiatrie" zwar gewesen, so Thomas Anz, aber dennoch muss die These, Döblin habe viel auf seine Anregungen gegeben, "mit Skepsis? betrachtet werden. Spannend ist dieses Buch für den Rezensenten dadurch, dass es "die Widersprüche und die Brüche im Leben dieses Mannes aufzeigt". Hoche war rabiater Gegner der Psychoanalyse und schrieb 1920 zusammen mit dem Strafrechtler Karl Binding das Buch "Die Freigabe der Vernichtung unwerten Lebens", ein Dokument der ideologischen Vorgeschichte des Dritten Reiches. 1933 wurde er frühzeitig emeritiert, kehrte sich ab von der Psychiatrie und wurde Schriftsteller. Als solcher revidierte er viele seiner früheren Auffassungen, und Müller-Seidels Buch zeigt den Zusammenhang dessen mit persönlichen Tragödien auf, schreibt Thomas Anz.
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