Am Anfang, vor Eva, war - nach talmudischer Überlieferung - Lilith: Adams erste Frau. Nach dem Sohar, dem Heiligen Buch der Kabbala, war sie gar die "weibliche Seite Gottes". Geheimnisvoll, verführerisch, doch auch unheildrohend. Ein geflügeltes Wesen von feurig-provokativem Temperament. Eine Göttin? Eine Dämonin? Oder einfach eine Frau, die sich nichts gefallen ließ? Geistbegabt, hochfliegend, zu groß für den dumpfen Erdenkloß mit Namen Adam? Geisterte sie über Jahrtausende als Irrlicht vor allem durch Männerphantasien, so wird sie neuerdings von Frauen entdeckt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.03.2001
Wer eigentlich war Lilith? Andreas Puff-Trojan zufolge verliert die Autorin diese Frage irgendwann aus dem Blick. Vielleicht tut sie dies in dem Moment, da sie sich auf die verschiedensten Schöpfungsmythen (der Rezensent nennt hier u.a. die indische Spielart und diejenige der Navajo-Indianer) einlässt, um zu zeigen, dass das abendländische Denkmodell ein Irrweg gewesen ist. Vielleicht aber geschieht es auch schon viel früher. Dann etwa, wenn es noch darum geht, Liliths Stellung in der sumerischen Schöpfungsgeschichte zu beschreiben. Bereits hier jedenfalls dämmert es dem Rezensenten, "dass Lilith alles andere als eine Hauptrolle in diesem Mythos spielt". Seine Frage an die Verfasserin scheint mithin berechtigt: "Wozu also der Aufwand?"
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