Tim Bouverie

Mit Hitler reden

Der Weg vom Appeasement zum Zweiten Weltkrieg
Cover: Mit Hitler reden
Rowohlt Verlag, Hamburg 2021
ISBN 9783498001421
Gebunden, 704 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Karin Hielscher. Wie soll sich eine demokratische Gesellschaft gegenüber einem anschwellenden Autoritarismus verhalten? Der Historiker Tim Bouverie beschreibt ein besonders dramatisches Beispiel: den Umgang Großbritanniens mit Hitler. Der Historiker stellt den langsamen Erkenntnisprozess während der 1930er Jahre eines politischen Establishments dar, das lange unsicher war, wie es mit Deutschland und dessen politischen Provokationen, zum Beispiel der Rheinlandbesetzung, umgehen sollte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2021

Rezensent Andreas Fahrmeir erkennt mit Tim Bouveries Perspektive auf Großbritanniens Weg in den Zweiten Weltkrieg ab 1933 mögliche Wendepunkte in der Diplomatie und allerhand über die Anreize, mit denen man Göring (Jagdpartien) und Hitler (Rheinschifffahrt) ködern wollte. Die gute Recherche und Quellennähe des Textes fallen Fahrmeir angenehm auf, aber auch, dass es zu einer Kulturgeschichte der Diplomatie nicht ganz reicht. Als aktualisierte "Anti-Appeasement"-Story taugt das Buch für sie allerdings hervorragend. Nur: Es bleibt eben eurozentristisch und damit etwas überholt, beklagt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.03.2021

Hans von Trotha staunt, wie packend Geschichte sein kann, wenn Tim Bouverie sie erzählt. Was Chamberlain und Churchill im Umgang mit Hitler alles falsch gemacht haben, erläutert der Autor laut Trotha unter Berücksichtigung des damaligen Kenntnisstandes, anhand von Quellen, Orten, Psychogrammen und Dialogen. Dass dergleichen gut in das Format der TV-Serie passt, leuchtet Trotha unmittelbar ein, so stark ist Bouverie dramaturgisch im Umgang mit Cliffhangern und Pointen, so sehr stellt er Äußerlichkeiten und Befindlichkeiten der handelnden Figuren in den Mittelpunkt seiner Betrachtung, erklärt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.02.2021

Als der britische Botschafter Rumbold sich angewidert und besorgt 1933 aus Berlin verabschiedete, so lässt uns Joachim Käppner wissen, habe die schmähliche Phase des britischen "Appeasement" begonnen, mit der sich dieses Buch sehr differenziert auseinandersetzt. Dem Rezensenten gefällt, wie genau und ausführlich der Autor sich direkt mit den Politikern jener Leisetreterei, besonders Chamberlain beschäftigt und weniger mit deren Überwinder Churchill. Vielmehr zeichne Bouverie ohne nachträgliche Besserwisserei die Ausgangslage eines "kriegsmüden" Großbritannien, das sich möglichst nicht mehr engagieren wollte. Der Historiker zeigt uns, so der begeisterte Kritiker, wie eine alte Demokratie erst ihren "Kompass" verlieren kann und dann fast ihre "Freiheit" und weist seinerseits hin auf Selbstzerstörungstendenzen im heutigen Amerika. Sein Urteil lautet, dies sei ein "großartiges, kluges" Buch und gerade im Moment, da Demokratien wieder schwächeln, von großer Relevanz. Vor dem britisch-lässigen Stil zieht er ohnehin tief seinen Hut.

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