"Data Love" beschreibt die unvermeidliche Obsession, Daten zu sammeln und untersucht ihre kulturellen Nebenwirkungen. Unvermeidlich ist diese Obsession, weil Vermessung ein Handlungsimpuls der Moderne ist, und die Vermessung des Sozialen Erkenntnis verspricht, Fortschritt, besseren Kundendienst und ein leichteres Leben. Roberto Simanowski reduziert Data-Mining nicht auf die Feindlogik Bürger-Staat, sondern diskutiert es als Ausdruck einer kaum beachteten Umgestaltung der Gesellschaft, in die wir alle aus unterschiedlichen Motiven - Geiz, Bequemlichkeit, Narzissmus - verstrickt sind.
Mit einigem Interesse verfolgt Baran Korkmaz Roberto Simanowskis Überlegungen zum großen Reizthema "Big Data". Durchaus originell findet der Kritiker dabei nämlich eine Volte des Autors, die darin besteht, das große Datensammeln nicht wohlfeil von vornherein zu verteufeln, sondern als historisch logische Konsequenz aus der Moderne und der Aufklärung zu verstehen, schließlich biete überhaupt erst hinreichendes Datenmaterial die Grundlage für ein besseres Verständnis und damit auch der Verbesserung der Welt. Doch keineswegs umarmt der Autor die Sammelwut der großen Konzerne, wie Korkmaz weiter ausführt: Denn die Algorithmen, mit denen die ständig gewonnenen Daten überhaupt erst ausgewertet und operationalisiert werden, bedingen im Filterblasen-Effekt einen Tunnelblick, eine "informationsspezifische Fremdenfeindlichkeit", wie der Rezensent Simanowski zitiert. Diese "Algorithmisierung der Gesellschaft", in der "aus Denken Rechnen wird", münde in eine unfreie Welt, in der Zukunft errechenbar und der Kontinuitätsbruch als Voraussetzung für Fortschritt aus den Gleichungen getilgt sei.
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