Im September 2026 jähren sich die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York zum 25. Mal. In Reaktion auf dieses weltgeschichtliche Ereignis, das vor allem durch die mediale Vereinnahmung eine globalisierte Gefühlsreaktion auslöste, schrieb Robert Menasse ein paar Monate später einen Essay über das Attentat als kollektives "Schock-, Welt- und Medienereignis" und setzte es mit der prägenden kindlichen Erfahrung, als John F. Kennedy ermordet wurde, und mit der Erinnerung an die Ermordung des chilenischen Präsidenten Allende am 11. September 1973 in Beziehung. Wie wird eine kollektive Erschütterung erinnert, wie verarbeitet? Die eigenen kindlichen Erinnerungen führen zu einer Reflexion über den gesellschaftlichen und medialen Umgang mit solchen historischen Ereignissen und wie sie als globale Erinnerung verankert sind. Aus dem Essay entstand einige Zeit später die Erzählung "Die amerikanische" Brille, in der allerdings das historische Ereignis mit subjektiver Erinnerung und Kindheitsgefühlen aufgeladen ist, und die ein junges Paar mit seinen nebeneinander bestehenden Weltsichten über relative Wahrheit und Deutung stolpern lässt. In einem ausführlichen Nachwort analysiert der Germanist Ewout van der Knaap die Entstehung dieser beiden hier abgedruckten Texte sowie ihre Beziehung zueinander.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2026
Paul Jandl lädt ein zur Lektüre von Robert Menasses bereits andernorts publizierten Texten, die der Autor hier in einer gekonnten Überblendung dialektisch zueinander in Beziehung setzt, wie der Rezensent feststellt. Es geht um einen Vortragstext zu 9/11 und einen Prosatext, der Autobiografisches mit dem Mord an JFK verschneidet. Die doppelte Überblendung kreist laut Jandl um Fragen der Erinnerung und der einenden Macht der Trauer, aber auch um das "artifizielle Entsetzen". Den medienkritischen Kern des Essays findet Jandl anregend. Schade nur, dass Menasse den 7. Oktober 2023 nicht in seine Argumentation miteinbezieht, meint er.
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