Mit feinem Humor zeichnet Reinhard Federmann seine Porträts von Wiener Exzentrikern, Weisen und Hochstaplern und beschwört dabei ein ironisches Bild der in den fünfziger und frühen sechziger Jahren aus den Fugen geratenen alten Welt herauf. Sie führen nur scheinbar eine bürgerliche Existenz: der Landesgerichtsrat Budil, der in seinem Amtszimmer leise weint und sich bis zum Wahnsinn in seinen Fällen verliert, Leo Heymerle, der ewig gelangweilte Sohn aus gutem Hause mit frühzeitigen kriminellen Neigungen, oder die Hausmeisterin Leopoldine Javurek, die glaubt, dass man die Menschen bewachen muss...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2002
Der früh verstorbene Wiener Schriftsteller Reinhard Federmann habe, meint Paul Jandl, seine Romane und Erzählungen stets "zwischen großem Stoff und kleinen Leuten" angesiedelt. So auch der vorliegende Erzählband, der ebenfalls recht "kolportagehaft" Österreich unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg thematisiere, berichtet der Rezensent. Überwiegend stünden hier "melancholische Verlierer" im Mittelpunkt der Geschichten, die Federmann zwar durchaus mit "wienerischer Authentizität" erzähle, deren Verbindung zur österreichischen Geschichte Jandl aber nicht allzu gelungen findet. Nicht immer werde hier Politisches und Privates "glücklich" miteinander verbunden. Doch hält der Rezensent dem Autor zugute, dass er stattdessen seine "kreative Energie" in einer "höchst genauen Beobachtungsgabe" aufgehen lasse. Und das ist, meint Jandl, schließlich auch schon was.
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