Ein Intellektueller offenbart seine Leidenschaft für den deutschen Schlager, die im Alter von acht Jahren mit einer Bill-Ramsey-Imitation in einer Bäckerei und der Langspielplatte "Die große Polydor-Schlagerauslese" von 1966 begann. Er erzählt von den nicht immer unproblematischen Reaktionen auf die - zumindest im jugendlichen Alter - ungewöhnliche Passion, von Fernsehabenden anlässlich des Grand Prix Eurovision de la Chanson und den nachhaltigen Eindrücken eines Howard-Carpendale-Konzerts. Wohlbegründet nennt der Schlagerliebhaber seine 15 ungeliebtesten Interpreten und stellt in der gebotenen Ausführlichkeit mit zahlreichen Exkursen in verwandte Wissenschaften seine 37 Favoriten vor.
Jan Feddersen ist des Lobes voll für Rainer Moritz` Rehabilitationsversuch des Schlagers, einer Gattung, die sich vor allem bei Alt-68ern größtmöglicher Distanzierungsversuche erfreut. Moritz habe sich von allgemeinen Vorurteilen und linken Dogmata nicht abschrecken lassen, meint Feddersen, sondern beschreibe "stilistisch glänzend" den Weg seiner "Herzensbildung" seit dem Jahr 1958. Von Christian Anders bis Guildo Horn reiche Moritz` Rundumschlag, der Renate Kern mit Gottfried Keller in Verbindung zu bringen wisse. Auch der Schlagerexperte erweist sich als gebildet: im wahren Leben ist der Autor Verlagsleiter von Hoffmann & Campe. Trotz Schlagerrenaissance rechnet sich Feddersen keinen großen Erfolg für dieses hoch geschätzte persönliche Büchlein aus. Da war Adorno vor.
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