Dieses Buch ist das Ergebnis eines ungezügelten Interesses, einer unstillbaren Lust zur kognitiven Anspannung, was an Bizarrem auch immer dabei herauskommen mag. Interesse und Anspannung beziehen sich auf eine einzige Frage: Was kann das heißen: System als Differenz? Was ist das: System als konditionierte Koproduktion? Wie hat man dieses Phänomen, dieses Nicht-Objekt, diesen Unzustand, der durch das Wort Differenz bezeichnet ist, beobachtet, bevor ein Begriff dafür zur Verfügung stand, der im übrigen noch gar kein Begriff, sondern nur ein Name für etwas Unaufgeklärtes ist?
Auch nach wiederholter Lektüre ist es der Leserin der Besprechung von Niels Werber nicht gelungen zu erfahren, worum es in Peter Fuchs soziologischer Studie geht und was der Rezensent davon so hält. Denn Werber scheint sich in einer ähnlich unverständlichen Terminologie, deren Begrifflichkeiten er der Systemtheorie Niklas Luhmanns und dem Dekonstruktivismus eines Paul de Mans oder eines Jaques Derrida entnimmt, zu bewegen wie der Autor. Immerhin wird Werber im letzten Satz dann doch noch beinahe deutlich: Fuchs Theorie über den "Schied des Unterschieds" erinnert den Rezensenten an ein "Lehrgedicht".
Jörg Lau - ein Bewunderer des Scharfsinns des Luhmann-Schülers Peter Fuchs - nennt das Buch einen "brillanten Groß-Essay" und hält es für ein "eigenartiges Werk", das sowohl "Idiosynkrasien als auch hoch abstrakte Spekulationen in einem anregenden Gedankenspiel" versammelt. Wegen dieser Haltung zieht Lau den Vergleich mit der Frühromantik. Wie die Frühromantik übertreibe die späte Systemtheorie die Unwahrscheinlichkeit von gelingender Kommunikation. Sodann beschreibt der Rezensent das Phänomen der Kommunikation im Rahmen der Systemtheorie und vergleicht diese mit dem Kinderspiel "Stille Post" und fängt den "dämonischen" Grundgedanken Fuchs' ein, der sich um die Notwendigkeit des steten Missverstehens für die funktionierende Ausarbeitung von sozialen Systemen drehe. Da Systeme keine der üblichen Substantiierungen zulassen, sondern lediglich ein "Spiel von Differenzen" darstellen, behaupte Fuchs, dass man, weil's so schwer erträglich ist, "epistemologisch blockiert" und doch irgendein Sein konstatiert. Diese epistemologische Blockade, so der Rezensent, setze auch beim Leser dieses "bizarren Buches" ein, denn auch wenn Fuchs dekonstruierend ausgezogen sei und selbst den heiligen Begriff des Systems aufs Korn nehme, bilde sich doch ein "höchst eigener Denkstil" heraus, der wiederum - so die paradoxe Pointe des Rezensenten - ein System zu sein scheint.
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