An einundachtzig aufeinander folgenden Tagen hat Oswald Egger deren "Unbegebenheiten" notiert und im "Wegzusammenhang" als "Ungelände" verzeichnet. Jeder Tag ist ein Anfangen und Aufbrechen, jeder Text ein briefing. In einundachtzig Miniaturen - entstanden auf der "Museum Insel Hombroich/Raketenstation" in Nordrhein-Westfalen - wird die Lust am sinnenreichen Wahrnehmen von Landschaft und Raum in Sprache geschöpft. Mit enzyklopädischer Vielfalt und in arabesken Girlanden verweben sich Wörter zu rhythmisch atmender Rede: sie "agglutinieren", gehen Liaisons ein, lösen diese "wechselständig" wieder auf. Ereignis und Erzählung, Erkennen und Empfinden, Anschaulichkeit und Bildlichkeit fallen in solchen "stehenden Strömbildern" in eins, oder wie Oswald Egger vermerkt: "eins in eins - uneins".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2004
Oswald Egger aus Südtirol ist nach Hambroich gefahren und mit "-broich" wiedergekommen, berichtet Paul Jandl ziemlich begeistert, einem Buch, das Sprache und Mathematik zusammenbringt. Genauer gesagt: Algebra und Poesie. Denn Egger habe die Homotopie entdeckt, die Jandl als "stete Abbildung in topologischen Räumen" definiert. In Eggers Gedichten laufe die stete Abbildung allerdings mehr auf ein "stetes Wuchern" hinaus, meint Jandl. In 81 Gleichungen, an 81 Tagen entstanden, vermesse Egger offene Räume und Gelände, egal ob Wiesen, Wälder, Parkplätze, Kohlehalden, dabei überlagerten sich Muster und Wortbilder ständig, erläutert Jandl das Prinzip der Eggerschen algebraischen Poesie. Letztlich erweise sich in Eggers Moire-Bildern die Welt als harmonisches Ganzes, sinniert der Rezensent, eine organische Welt der Dinge, die sinnlich, kräftig und gerne auch mal mit altmodischen Worten beschrieben werde. In Eggers Dichtung stecke durchaus auch ein Hauch Romantik, schließt Jandl.
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