Ullstein Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783550204593 Gebunden, 240 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Am Frankfurter Bahnhof biwakiert ein junger Mann. Bepackt mit einer Blechtasse, einem Tauchsieder und Heideggers Sein und Zeit ist er aus dem Internat abgehauen, in das ihn seine Großeltern gesteckt haben, nachdem seine Mutter sich umgebracht und sein Vater sich als erziehungsunfähig erwiesen hat. Fortan ist er gezwungen, in dem emotionalen Ruin zu leben, in den seine Familie ihn getrieben hat. In seiner jugendlichen Hybris meint er, sich der Gesellschaft radikal verweigern und dem Leben als reiner Ästhet begegnen zu können, jenseits von Gut und Böse. Er ist ein Kinogänger, ein Leser, ein Schreibender, er ist ein Getriebener und Triebhafter, ein von seiner Fantasie Gequälter. Vielleicht ist er der letzte Mensch, der in der bundesrepublikanischen Gegenwart der Siebzigerjahre nach etwas sucht, das die Wirklichkeit übersteigt. Das weiße Blatt Papier ist die Beschreibung eines Versuchs, den Wahnsinn aus dem eigenen Kopf zu exorzieren. Es ist ein Blick in den Abgrund, sowohl in den metaphysischen als auch in den gesellschaftlichen und familiären.
Rezensent Eberhard Falcke lobt das poetische Wagnis, das Oskar Roehler mit seinem autobiografischen Roman eingeht. Fiebrig und drastisch, aber dennoch schlüssig und konsequent erzählt der Autor laut Falcke von den Prägungen durch die antibürgerlichen Eltern und den schonungslosen Kampf der Selbstbefreiung. Untergang und Selbstwerdung gehören hier unauflöslich zusammen, erkennt Falcke, der Roehlers Symbolik immer wieder auf die Biografie des Autors hin abklopft, auch wenn ihm klar ist, dass Roehler eine "reine Kunstfigur" geschaffen hat. Keine herkömmliche Autofiktion, sondern ein halsbrecherischer Roman, so Falcke beeindruckt.
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