Übersetzt von Markus Lemke. Sara, Anfang zwanzig, steht am Krankenbett ihres Onkels. Scheich Yussuf al-Ahmad ist der Chef der "Behörde für die Verbreitung der Tugendhaftigkeit und der Verhinderung von Lastern", ein Salafist, der zum Heiligen Krieg aufruft und junge Bräute an Dschihadisten vermittelt. Er hat Saras Leben zerstört - nun ist sie aus der Verbannung in London zurück und sinnt auf Rache. Najem Wali erzählt von einer Gesellschaft von Superreichen, die absurder und verdorbener nicht sein könnte. Es ist die Geschichte einer Frau in Saudi Arabien, die aufbegehrt gegen Scheinheiligkeit und Gewalt und um ihre Freiheit kämpft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.03.2018
Maike Albath wird mit Najem Walis neuem Roman "Saras Stunde" nicht recht warm. Durchaus verdienstvoll findet es die Kritikerin zwar, dass Wali von einer jungen Frau erzählt, die sich gegenüber den saudi-arabischen Tugendwächter ermächtigt. Die Geschichte um jene Sara, die zunächst vor ihrem gewalttätigen und rigiden Onkel Richtung London flüchtet, heiratet, dem Alkohol verfällt und ihren Onkel schließlich ermordet, scheint der Kritikerin insgesamt aber doch zu "überfrachtet" und "explizit". Zwar verdankt Albath dem Roman einige eindrückliche Schilderungen des saudischen Alltagslebens - über die Fehlentscheidungen Walis, etwa eine postmoderne Spiegelung in den Roman einzubauen, tröstet sie dies indes nicht hinweg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2018
Rezensentin Lena Bopp mag die literarischen "Vexierspiele" des im Irak geborenen und seit den Achtzigern in Deutschland lebenden Schriftstellers Najem Wali, dem es in seinen doppelbödigen, mit Fiktion und Authentizität jonglierenden Romanen immer wieder gelingt, westlichen Lesern fremde Kulturen und Biografien verständlich zu machen. In "Saras Stunde" folgt die Kritikerin einem jungen Mädchen, das trotz der liberalen Erziehung ihrer Eltern mit den konservativen, wahhabitischen Kräften in ihrer Heimat kämpfen muss und schließlich aus Mangel an Möglichkeiten in eine arrangierte Ehe einwilligt. Auch wenn Wali gelegentlich zu "schicksalhaftem Raunen" und einigen Längen neigen mag, hat Bopp hier einen eindrücklichen Einblick in saudi-arabische Verhältnisse erhalten, wie sie erklärt.
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