"She's looking for Love. It's the Munich thing." Falco. Die Geschichte der Münchner Clubkultur beginnt 1949 mit der Eröffnung des berühmtesten Nachtlokals Deutschlands - des P 1, das anfangs vor allem ein Treffpunkt der Jazzszene war. Ab 1972, mit Beginn der Olympiade, entwickelt sich München zur Disco-Stadt mit Clubs wie Big Apple, Blow Up, Sugar Shack oder Charly M. Giorgio Moroder trägt maßgeblich zum Munich Sound bei. Die Rolling Stones und später Queen nehmen hier Platten auf oder kommen einfach für ein Wochenende, um auszugehen. Mjunik Disco ist das Porträt einer Stadt, über die die New York Times 2008 schreibt: "Germany's hot spot of the moment". Ein Bilderbuch über die dunklen Seiten Münchens - die Clubs, Bars und Discos, die die Stadt erst zum Leuchten bringen. Mit Fotografien, Flyern, Plakaten und Geschichten aus sechzig Jahren Nachtleben.
Von einem Bildband über den schönen Schein Münchens hat sich Rezensent Julian Weber nicht unbedingt Aufklärungsarbeit erwartet, aber wie "Mjunik Disco" den Mythos der angeblich "nördlichsten Stadt Italien" fortschreibt, macht ihn baff: Warum nicht gleich Ludwigs Staatsbankrott als "ultimative Exzessgeste" ansehen? Trotzdem hat sich Weber offensichtlich nicht ungern an existenzialistischen Jazz-Keller, Schwabings Künstler-Kneipen und die Rock'n'Baracken erinnert, denen Mirko Hecktor hier seinen Tribut zollt. Schließlich schreibt er München auch das bayrische Reinheitsgebot und die ersten Jugendkrawalle (1962!) gut. Aber wie hier noch einmal dem notorischen P1 als Mittelpunkt allen Nachtlebens gehuldigt wird, zeigt dem alles in allem recht amüsierten Weber, wie nah hier immer noch "Größenwahn und Provinzmief" liegen und wie "tief die Hemden an der Isar aufgeknöpft" werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.11.2008
Andrian Kreye kann seine Enttäuschung über diesen Bildband zu 60 Jahren Münchner Nachtleben nicht verhehlen. Der "lange erwartete Versuch" einer Popkulturgeschichte Münchens kommt in seinen Augen in erster Linie als eine "gastronomische Chronologie" daher. Zwar entdeckt er in dem Band eine Unzahl von Fotos, die Thomas Gottschalk an der Theke, Jimi Hendrix beim Konzert, Mick Jagger im Club und viele andere prominente Gesichter beim Nightclubbing zeigen. Aber er vermisst so etwas wie einen Zusammenhang, einen roten Faden. Und, schlimmer noch, er vermisst die Leidenschaft. Zudem wirft er den Machern des Bands vor, Bilder und Text recht "lieblos" zusammengeklatscht zu haben. Die Texte dokumentieren für ihn eine "geschwätzige Leere", und auch das Layout findet bei ihm keinen Anklang.
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