Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751810692 Gebunden, 142 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Laura Strack. Mit der Aussicht auf das Paradies und dem Versprechen, die Regierung der Französischen Republik werde über sie wachen wie eine Mutter über ihre Kinder, macht sich Séraphine mit ihrer Familie Mitte des 19. Jahrhunderts auf nach Algerien, in die "barbarischen Gefilde". Doch was sie dort erwartet, sind ein Land, das sich ihnen mit aller Kraft widersetzt, und Plagen von biblischem Ausmaß - sintflutartige Regenfälle, Hitze, Cholera und allerorts Gewaltexzesse, über die nach fünfzehn Jahren Eroberungsfeldzug kein Soldat mehr buchhalten kann. Aufgepeitscht von permanenter Propaganda und Hassrede findet der Krieg der französischen Armee seinen Ausdruck nur mehr in sinnlosen Plünderungen, Morden und Massakern, im fanatischen Blutrausch wider Erde und Sonne.
Unter dem Pseudonym "Mathieu Belezi" schreibt der 73-jährige ehemalige französische Geschichtslehrer und Tabakfarmer Gerard-Martial Princeau seit Jahren Romane über Algerien, aber erst mit diesem gelang im in Frankreich der Durchbruch, weiß Rezensent Raoul Löbbert. Völlig zurecht, findet der Kritiker, der das Buch zwar oft von sich werfen möchte, weil es ihm so nahe geht. Und doch immer wieder zur Lektüre zurückkehrt, weil es zugleich so brillant und sogkräftig ist. An der Seite eines namenlosen französischen Soldaten erlebt der Kritiker beinahe hautnahe, wie wie die französische Armee in den Dreißiger- und Vierzigerjahren den Widerstand in Algerien niederschlug, die Siedler schützte und Einheimische erschoss, zu Tode vergewaltigte oder verbrannte. Zugleich folgt Löbbert einer Siedlerfamilie, bestehend aus Seraphine, Henri und ihren Kindern, denen man in Frankreich zwar viel Land versprochen hatte, die Löwen oder den Schirokko allerdings verschwieg. Vor allem aber ist es die Form des Romans, die den Kritiker einnimmt: Auf nur 140 Seiten lässt er ein "Klagelied" entstehen, mit ganz eigener Interpunktion und Zeilenumbrüchen - in einer Sprache, so "hart wie ein altbabylonischer Keilschrifttext", staunt Löbbert. Ein wichtiges, erschütterndes Buch, dem man die eingehende Recherche des Autors deutlich anmerkt, schließt der Kritiker.
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