Martina Clavadetscher

Knochenlieder

Roman
Cover: Knochenlieder
Edition Bücherlese, Hitzkirch 2017
ISBN 9783906907017
Gebunden, 304 Seiten, 27,00 EUR

Klappentext

Sie heißen Familie Blau, Weiß, Rot, Grün, sie leben abgeschottet in ihrer Siedlung, sie befolgen die Regeln. Fortpflanzung und Natur stehen weit oben auf der Normenliste. Weil sich bei Regina und Jakob Grün jedoch kein Nachwuchs einstellen will, helfen sie nach, im Geheimen natürlich. Solches Handeln ist verpönt, und Geheimnisse gibt es nicht. Rosa tritt mit einem Fluch belegt ins Leben. Das neugierige Mädchen, das im gewitzten Fredy Blau eine Gefährten findet, wird bald schon von der Strafe eingeholt. Knochenlieder erzählt die Geschichte der Familien Grün und Blau über rund sechs Jahrzehnte, beginnend um 2020. Wenn im ersten Teil das Leben in der Siedlung im Mittelpunkt steht, spielt der Roman im zweiten Teil und gut zwanzig Jahre später in einer überwachten Stadt, die nur noch den Ausnahmezustand kennt. Hier lebt Pippa, zusammen mit einem widerlichen Vater, von dem sie sich dringend befreien will. Ihre Fähigkeiten als Hackerin sollen ihr dabei behilflich sein. Im dritten Teil macht sich Pippa auf die Suche nach ihrer Mutter - und findet Rosa, die ihr Geschichten von früher erzählt, auch jene von Fredy, dem einzigen Menschen, den sie wirklich geliebt hat. Martina Clavadetscher legt mit ihrem zweiten Roman eine bitterböse Zukunftsgeschichte vor, in die sie geschickt verschiedene Märchenmotive einflicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2017

Die Dystopie, meint Rezensent Roman Bucheli, ist eine der "Königsdisziplinen der Literatur". Selten in den letzten Jahren hat er erlebt, dass ein Autor das Genre und seine genuinen Schwierigkeiten so feinsinnig, so clever und so stilsicher meisterte wie jüngst Martina Clavadetscher in ihrem Roman "Knochenlieder". In drei Abschnitten erzählt sie von Revolution, vom anschließenden Überwachungsregime und von der Flucht aus diesem, lesen wir. Um dem Problem der innerhalb der im Roman entworfenen Welt anachronistisch anmutenden Aufzeichnungsform zu entgehen, hat sie den Anachronismus gleich in diese Welt integriert, indem sie die handelnden Figuren erstens an einen Ort versetzt, an dem diese unter veralteten Bedingungen leben und die Erzählung zweitens in die an sich schon antiquierte Form des Versepos fasst, die in diesem Fall jedoch den Zweck erfüllt, den Roman aus dem Realismus herauszuheben auf eine Ebene, auf der er seine eigene Realität entstehen lassen kann, jedoch ohne, dass diese den Bezug zu unserer verlieren würde. Ganz im Gegenteil: Clavadetscher schafft es mit ihren Schreckensvisionen wahrlich zu beunruhigen und einen bleibenden, stechenden Eindruck zu hinterlassen, so der beeindruckte und aufgewühlte Rezensent.

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