Die Marokkokrise war die erste der Krisen, die in der Dekade vor 1914 das öffentliche Klima in Europa schrittweise weiter vergifteten und die Bereitschaft zu Zugeständnissen immer weiter sinken ließen, bis der Krieg als einziges Mittel der Konfliktlösung übrig blieb. Die Darstellung ist keine Schilderung der Ereignisse auf den Korridoren der Macht in Paris, Berlin und London. Vielmehr bilden die Gespräche der außenpolitischen Handlungsträger gewissermaßen den unsichtbaren Kern, die "black box", deren Inhalt erst uns Späteren bekannt ist. Im Gegensatz dazu steht die Wahrnehmung der Zeitgenossen. Welche Reaktionen, Ängste und auch Feindbilder entfachte die Krise?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2003
Aus der Besprechung von Benedikt Stuchtey erfahren wir, dass diese Mainzer Dissertation von Martin Mayer sich nicht so sehr mit den diplomatischen, wirtschaftlichen oder militärischen Aspekte der Marokko-Krise von 1905 beschäftigt, sondern vordringlich mit dem Geschehen in den, wie der Rezensent bemerkt, "bisher erstaunlicherweise vernachlässigten" Parlamenten der drei beteiligten Staaten Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Wie wir erfahren zeigt Mayers Studie, dass keines der drei Parlamente ganz der zeittypischen Versuchung entgehen konnte, auf einen "Hurra-Patriotismus" einzuschwenken - mit Ausnahme der Sozialisten, in Frankreich wie in England. Stuchtey lobt den Perspektivenreichtum der Studie, und dass sie auf einer "exzellenten Quellenkenntnis" fuße.
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