Galiani Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783869713304 Gebunden, 368 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Ein Roman über eine ziemlich besondere Familie, bei der Bücherplateaus von der Decke hängen und in der Geschichten zum Leben erweckt werden. Und über drei Geschwister, die eine innige Liebe verbindet und ein großer Verlust. Was haben ein besessener Laurence-Sterne-Fan auf der abenteuerlichen Jagd nach dem angeblichen zehnten Band von Tristram Shandy, eine Teilchenforscherin, die abgeschirmt von kilometerdicken Felswänden über Jahre versucht, Dunkle-Materie-Teilchen zu erlauschen, ein Kino-Enthusiast, der abgefahrene Experimentalfilme ausheckt, eine nordenglische Kleinstadt und ein sensationeller Fund gemeinsam? Auch dabei: eine rätselhafte Thailänderin, eine unendlich liebenswerte, lesebesessene und eigensinnige Mutter, die spurlos verschwindet, und ein Vater, der ausschließlich auf nie dagewesene Fragen antwortet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2026
"Geht runter wie Butterscotch", befindet der bestens unterhaltene Rezensent Oliver Jungen über den neuen Roman von Markus Orths, der sich um den Literaturwissenschaftler Vince Bär dreht. Bär ist ausgewiesener Experte für Laurence Sterne, dessen Buch "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" für ihn so etwas wie der einzig wahre Roman ist, vielleicht noch neben "Moby Dick". Als Sterne-Fan reist er jedes Jahr zu dessen Todestag zum Wohnort Shandy Hall, heute ein Museum, und huldigt ihm. Plötzlich heißt es, der lange verschollene zehnte Band von Tristram Shandy sei entdeckt worden. Es entspannt sich eine absurde, hakenschlagende Handlung, gespickt mit so einigen Kalauern, so der Kritiker, dabei wird Bär selbst zum Schriftsteller. Seine Lebensschilderung nimmt dann gar Anleihen bei Shandy und Sterne: Auch seine Mutter hat ihn als Zehnjährigen verlassen, dazwischen ärgert er sich über Autofiktion, "all diese wie Blutegel" an ihrer "langweiligen selbst erlebten" Kindheit klebenden Autoren, und versucht irgendwie an den sagenumwobenen zehnten Band zu kommen. Das ist wirklich ziemlich viel in ein Buch gestopft, findet Jungen: Ihm kommt es so vor, als hätte Orths die "Shandy-Schwadronierlizenz" genutzt, um alles in einen Text zu kippen, von Weltliteratur-Referenzen bis zur verballhornenden Vorstellung von Roland Barthes als Mann mit rollendem Bart. Trotzdem: Einer Gegenwartsliteratur, in der alles langweilig, realistisch und selbstbezogen ist, kann dieses fantasievolle Buch nur guttun, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.04.2026
Rezensent Dominik Bloedner geht ganz auf in dem Irrwitz des neuen Romans von Markus Orths. Bloedner, der Orths Bücher gut kennt, hat nichts anderes erwartet als den Wahnsinn hoch 10, und Orths liefert. Es geht um Literatur, das Fabulieren, genauer gesagt, und die Leidenschaft dazu, die den Helden befallen hat, der sich auf die Pirsch nach einem noch unentdeckten Manuskript von Laurence Sterne macht. Allerhand weitere Verwicklungen nehmen ihren Lauf, und Bloedner freut sich über "großes literarisches Kino".
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