Schwarzweiß-Comic. Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erfährt man im ersten deutschen Band - der den ersten und zweiten französischen umfasst - Erhellendes über die islamische Revolution von 1979 und den Krieg mit dem Irak - und das in einer einfachen, aber effektiven Bildsprache.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2005
Rezensentin Sieglinde Geisel empfiehlt Marjane Satrapis Buch nicht nur Kindern dringend zur Lektüre. Die Autorin leiste mit ihrem Polit-Comic politische Bildungsarbeit "par excellence". Im Zentrum der Geschichte steht ein junges Mädchen, das während der Revolution im Iran und im anschließenden Krieg mit dem Irak seine "Naivität verliert". Schonung dürfe sich der Leser von dem Werk allerdings nicht erhoffen. Zu sehen sind Bilder von Bügeleisen auf nackten Rücken oder von "Schmerzgesichtern" der Gefolterten - allesamt in "wenigen, groben" Strichen gezeichnet. Gerade diese "minimalistische" Präsentation der Brutalität ist es, die nach Ansicht der Autorin die "enorme" Wirkung auf den Betrachter ausübt. Auch die komplexen politischen Hintergründe des Konflikts fehlen nicht. Indem Satrapi diese mit der "elementaren" Alltagswelt "verwebt", gelingt ihr abermals ein "Kunststück".
Marjane Satrapi ist im Iran geboren, hat als Kind linker Intellektueller die islamische Revolution erlebt, in deren Gefolge ihr Onkel hingerichtet wurde. Mit vierzehn schickten ihre Eltern sie aus dem Land, erst nach Wien, heute lebt sie in Paris. Von diesem Schicksal, von ihrer Kindheit im Iran erzählt sie in ihrem mittlerweile vier Bände umfassenden Comic-Roman (in dieser deutschen Übersetzung finden sich die ersten zwei in einem) . Satrapi nenne zwar, so der Rezensent Matthias Nass, Art Spiegelman ("Maus") als Vorbild, stilistisch aber habe Satrapi, die für diese Comics in Frankreich vielfach ausgezeichnet wurde, mit ihren "fast kindlich naiv anmutenden Bildern" eine ganz eigene Handschrift gefunden. Und so heftig sie die iranischen Mullahs in ihrem Comic attackiere: der Patriotismus der Iranerin sei ganz und gar unverkennbar. Die Übersetzung des offenkundig großartigen Bandes, das vergisst der Rezensent nicht zu erwähnen, ist gleichfalls "sehr gelungen".
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