Aus dem Englischen von Mareille Pfannebecker. Ob bewusst oder unbewusst, gewollt oder nicht: Wir arbeiten ständig. Der globale Kapitalismus hat unsere Lebenszeit, unsere Subjektivität, unsere Erfahrungen, Wünsche und Sehnsüchte in nie dagewesener Weise zu Arbeit und zu Geld gemacht. Gleichzeitig wird die formale Lohnarbeit immer stärker prekarisiert. Mareile Pfannebecker und James A. Smith zeichnen nach, wie sich ein Regime etablieren konnte, das sie "Lebensarbeit" nennen. Dabei stützen sie sich auf soziologische Erhebungen, philosophische wie politische Theorien, Berichte von Arbeiter*innen und Popkultur - von Adorno zu Tiqqun, von Jean-Luc Nancy zu Amy Winehouse. Weil jeder Aspekt des Lebens von Arbeit kolonialisiert wird, ohne dass diese noch unseren Lebensunterhalt garantiert, müssen wir neue Fragen stellen: Kann uns ein nostalgisches Bild davon, wie Arbeit früher war, heute noch weiterhelfen? Wie konnten Arbeit und Arbeitslosigkeit gleichermaßen zu prekärem "malemployment" werden, und wie können wir unsere Sehnsüchte der kapitalistischen Verwertung entziehen? Und schließlich: Wie lässt sich eine Post-Arbeits-Gesellschaft denken, in der wir auch tatsächlich leben wollen - in einer Zeit, in der das Ende der Arbeit und eine vollautomatisierte Zukunft gleichermaßen von Tech-Ideolog*innen aus dem Silicon Valley wie auch von sozialdemokratischer Politik und linker Theorie proklamiert werden?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.08.2022
Mit regem Interesse liest Rezensent Bodo Morshäuser Mareile Pfannebeckers und James A. Smiths Analyse des Arbeitsbegriffs nach dem historischen Einschnitt, den die Arbeitsreformen von USA bis Deutschland von den Achtzigern bis in die frühen Nullerjahre darstellten: Was einst die Konkurrenzfähigkeit der nationalen Ökonomien sichern sollte, habe über kurz oder lang zu zwei Exzessen eines fetischisierten Arbeitsbegriffs geführt, die die Autoren unter den Begriffen "Missbeschäftigung" und "Entschäftigung" zu greifen versuchen. Unter dem ersten Begriff fassen die Autoren all jene Beschäftigungsverhältnisse, die zwar als Selbständigkeit camoufliert sind, aber de facto auf Lohnabhängigkeit hinauslaufen - allerdings ohne die damit einher gehende Absicherung. "Entschäftigung" wiederum trifft all jene, die aus dem Arbeitsmarkt herausgefallen und in die Armutsverwaltung gerückt sind. Auch beim gegenwartsanalytischen Teil, der "diesem interessanten und lehrreichen Buch" seinen Titel verleiht, muss der Rezensent mit dem Kopf nicken: Wir arbeiten ständig alle und irgendwer verdient mit - und wenn wir nur beim zerstreuten Blick auf Social-Media-Apps Algorithmen darauf trainieren, ihren Programmieren höhere Werbeeinnahmen zu bescheren. Skeptisch wird der Rezensent allerdings beim Lösungsvorschlag, den das Buch unterbreitet: Dass die Menschen einfach nur die neuen Technologien im eigenen Sinne arbeiten lassen müssen, klinge dann doch nach "einer Vision, die schwer vorstellbar erscheint".
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…