Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751810838 Gebunden, 348 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Ein Mietshaus, zwei Höfe, ein Kastanienbaum - und ein Geflecht aus Leben, die Wand an Wand verlaufen, sich berühren, auch verfehlen. Da ist Maja, die im Hinterhaus lebt und zwischen Schreibkrise, dem komplizierten Liebeschaos ihres besten Freundes und der Angst um ihre todkranke Freundin versucht, nicht im eigenen Alltag zu versinken. Unter ihr, wo noch vor Kurzem das Schreien einer Nachbarin die Polizei auf den Plan rief, wagt Jürgen mit seinem jüngeren Partner einen Neuanfang - und muss sich zugleich mit einer Tochter auseinandersetzen, die Besitzansprüche und alte Verletzungen mitbringt. Im Vorderhaus flüchtet sich indessen ein Ehepaar in Fantasien von einem aufregenderen Leben, während der alleinerziehende Kay nachts seinem bisherigen nachhängt. Ihre Kämpfe um Liebe, um Anerkennung, um Identität führen sie alle hinter geschlossenen Türen. Und doch dringen ihre Geschichten durch Wände und Fenster, mischen sich im Hof, im Treppenhaus, bei den Mülltonnen, wo unerwartete Verbindungen entstehen.Maja Zade erzählt von einem Haus als Mikrokosmos einer Stadt - und von Menschen, die nebeneinander existieren und sich doch unausweichlich prägen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2026
Maja Zades Debütroman erinnert Rezensentin Irene Bazinger an ein "passioniert ausgemaltes Wimmelbild": Er handelt von den vielen verschiedenen Bewohnern eines Altbauhauses im Prenzlauer Berg. Schon bei diesem Zuschnitt merkt Bazinger, dass Zade vom Theater kommt und bislang vor allem als Dramaturgin aufgefallen ist: Viele Menschen erzählen hier wie auf einer Bühne ihre Geschichte, alles ist nicht nur inhaltlich, sondern auch in der verwendeten Zeitform Gegenwart. Alle haben sie mit Einsamkeit zu tun: Das Stuntdouble Rainald ebenso wie seine Schwester Frauke, deren Ex-Freundin dann mit ihrem Bruder anbandelte, auch der eher rechte Rechtsanwalt Kris und seine liberale Partnerin Julia. Das liest sich für die Kritikerin erstmal gut, wird aber "unschön beschwert" dadurch, dass die Schicksale der Figuren mit etlichen Konflikten und emotionalen Problemen beladen werden und so die "Aura eines heutigen Groschenromans" entsteht. Da wäre etwa ein Mädchen, dessen Mutter an Krebs gestorben ist und die nun bei ihrer besten Freundin wohnen kann, aber auch ein Schwulen-Paar, das von der Tochter des einen Mannes abgelehnt wird. Erzählt wird laut Bazinger locker und humorvoll, auch wenn die Figuren nicht allzu tiefsinnig erscheint, sind sie doch Typen, die man meint, auf der Straße wiedererkennen zu können. Trotz einiger etwas seichter Durchhänger liest sich der Roman für sie "boulevardesk spannend", resümiert sie.
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