Die larmoyante Perspektive eines zum Untergang verurteilten Reiches wird der österreichischen Politik im Ersten Weltkrieg ebenso wenig gerecht wie das Zerrbild eines willenlosen Vasallen des wilhelminischen Deutschland. Dieses Buch versucht die Politik des Habsburgerreiches in den Jahren 1914/18 - die innere wie die äußere - mit einem kritischen Blick auf derlei Klischees zu rekonstruieren. Politik ist die Kunst des Möglichen: Beim Verhältnis der Nationalitäten zur Habsburgermonarchie handelte es sich nicht um eine Abschiedssymphonie, sondern um eine "Politik der zwei Eisen im Feuer" - darum, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, solange der Ausgang des Krieges unsicher war, solange man in den Worten Czernins nicht wusste, ob man "stehen oder fallen" würde - und das blieb so bis zum Spätsommer 1918.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2015
Dass der Autor die Geschichte der österreichischen Innenpolitik nicht vom Ende her erzählt, sondern in chronologischer Ordnung entscheidende Entwicklungen zwischen Österreich und Ungarn nachzeichnet, scheint Christoph Cornelissen zu gefallen. Allzu große Detailverliebtheit und das Fehlen systematischer Überlegungen zum Verhältnis der österreichischen Innen- und Außenpolitik im Ersten Weltkrieg bilden die Kehrseite dieses Vorgehens in Lothar Höbelts Buch, stellt der Rezensent fest. Insgesamt kann er dem Autor jedoch gut folgen, so wenn Höbelt die Abhängigkeit Wiens von Deutschland oder den Entfremdungsprozess zwischen den Mittelmächten aufzeigt.
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