Laszlo Garaczi

Die wunderbare Busfahrt.

Bekenntnisse eines Lemuren
Cover: Die wunderbare Busfahrt.
Droschl Verlag, Graz 1999
ISBN 9783854205234
broschiert, 246 Seiten, 18,92 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Andrea Seidler und Pál Deréky. Einer der wichtigsten Vertreter der jüngeren ungarischen Schriftstellergeneration erinnert sich an Kindheit, Jugend und Heranwachsen, an Schule und Sex, an Paraden und Drogen, an Busausflüge und Sekretärinnen mit Haarknoten, an den Gulaschkommunismus der 50er, 60er und 70er Jahre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2000

Karl-Markus Gauss scheint sich beim Lesen zumindest amüsiert zu haben: Die von "moralischen Skrupeln kaum geschwächte Energie", die der kindliche Held aufbringt, um seine Kindergärtnerinnen zu terrorisieren und sich gegen "soziale Anforderungen" jeglicher Art zu wehren, imponiert ihm sichtlich. Und wenn der Rezensent die Empörung des Autors über die "Verstoßung aus dem Reich der Kindheit" notiert, meint man gar, einen Seufzer zu hören. Aber, erwachsen, wie er nun einmal ist, erschrickt Gauss doch ein bisschen, wenn es die unverfrorenen Bälger Garaczis gar zu toll treiben - wenn das `Grapschen` als `harmlose Knabentugend` vorgeführt wird oder die "sozialistische Jugend" sich politisch unkorrekt als `dreckiger Jude, verstunkener Russe, Nazi-Schwein` beschimpft. Ein "wüstes und charmantes Buch" lobt der Rezensent und zieht sich so geschickt aus der Affäre.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2000

So richtig begeistert ist Martin Ebel nicht von diesem Roman. Immerhin schwingt in seiner Kritik eine gewisse Sympathie mit für das Motto des Autors, das Ebel so umreißt: „Aufwachsen ist ein Verlustgeschäft“. Garaczi katapultiere den Leser mitten hinein in das Ungarn der sechziger und siebziger Jahre, eine Zeit, für die man das schöne Wort „Gulaschkommunismus“ erfand. Die Erwachsenen sind alle Lügner, eben „Niedergewachsene“. Nur der Autor nicht. Er schreibt, wie ein Kind läuft, meint Ebel: Die Sätze „hüpfen und rennen, stolpern und trödeln“ über die Seiten. Trotz aller Sympathie erscheint ihm dieses Beharren auf einer kindlichen Perspektive als etwas „Gewaltsames“. Ob er will oder nicht - der Autor ist schließlich erwachsen. Garaczis chaotische Busfahrt führe auch keineswegs zu einem Ziel. Am Ende werde man mitten auf der Strecke einfach hinausgeworfen, bemerkt ein nun doch leicht düpierter Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999

"Ein wunderbares Buch" ist das, findet Zsuzsanna Gahse und schickt dabei ein grosses Lob an das Übersetzerteam Seidler/Deréky. Gahse weist auf die Hürde hin, dass im Ungarischen das "Historische Präsens" sehr populär ist. Besonders kompliziert wird das in diesem Fall, weil Garaczis Erzählung ohnehin verschiedene Zeitebenen miteinander verschachtele und zwischen Gegenwart und Vergangenheit schwanke: Gara ist als Heranwachsender bereits erwachsen und weiss schon, was später mal aus ihm werden wird. Die sechziger Jahre werden vor dem Wissenshintergrund der Gegenwart geschildert. Aber gerade deswegen seien, diese "`Bekenntnisse` alles andere als abgegriffene Jugenderinnerungen", so die Rezensentin.

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