Aus dem Finnischen von Angela Plöger. Jahrzehnte nach dem Verschwinden ihrer Mutter Rose kehrt Lempi in das Reservat in Minnesota zurück, in dem sie aufgewachsen ist. Ihr Vater Ettu hat zum wiederholten Mal Rose bei der Polizei als vermisst gemeldet - dieses Mal berichtet er aber zusätzlich von einem verschwundenen blonden Mädchen. Lempi, halb Finnin, halb Ojibwe, kämpft seit jeher mit dem Konflikt ihrer Identität: Im Reservat gilt sie als zu weiß, außerhalb ist sie nicht weiß genug. Zurück im Reservat sieht sie sich sofort mit den alten Vorurteilen konfrontiert und einer Gesellschaft, die Verbrechen gegen indigene Frauen systematisch totschweigt. Unbeirrt macht sie sich trotzdem daran herauszufinden, was mit dem blonden Mädchen passiert ist, und begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2021
Rezensent Matthias Hannemann bekommt schwere Kost mit Katja Kettus Roman von 2018 über finnische Einwanderer und Indigene in Minnesota. Über das Leid indigener Frauen und Kinder erzählt die Autorin laut Hannemann zwar mit viel Rechercheaufwand im Rücken und unter geschickter Verflechtung unterschiedlicher Zeitebenen in Form von Briefen und eröffnet den Blick auf eine dunkle Periode der amerikanischen Geschichte, immer wieder aber streift sie dabei den Kitsch, meint Hannemann, der sich fragt, wie authentisch eine Indigenen-Story sein kann, wenn eine Finnin sie erzählt.
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