Aus dem Englischen von Beatrice Faßbender. Seine Kindheit und Jugend hat Simon in Heimen und bei Pflegefamilien verbracht. Nun sitzt er wegen Mordes an seiner Freundin lebenslänglich in einem Hochsicherheitsgefängnis und durchläuft verschiedene Therapien. Er ergreift die Chance, Lesen und Schreiben zu lernen, und beginnt verbotenerweise mehrere Brieffreundschaften mit unterschiedlichen Frauen. Dabei findet er immer mehr über sie heraus, ohne sich selbst zu offenbaren. Nach einer Schlägerei kommt er ins Krankenhaus und teilt dort das Zimmer mit Vic, der sich gerade in Charlotte verwandelt. Aber welche Verwandlung gelingt Simon in den dreizehn Jahren seiner Haft? Kathy Page entfaltet dieses Leben in ihrem psychologischen Drama so sezierend wie zugeneigt. In diesem Roman verarbeitet sie eigene Erfahrungen während eines Arbeitsaufenthalts im Männergefängnis.
Am Anfang findet Rezensent Thomas Schaefer Kathy Pages Roman über den jungen Häftling Simon in einem englischen Männergefängnis 1988 in seiner Anlage (schwierige Kindheit des Protagonisten, Beschreibung der damaligen Zustände im Gefängnis) noch etwas formelhaft, findet dann aber schnell mehr als ein "sozialkritisches Fallbeispiel". Denn eindrücklich gelinge es der Autorin, Sympathien für den ambivalenten Protagonisten zu wecken, der einen großen Ehrgeiz entwickelt, sein Leben zu ändern, dabei aber auch Züge eines Manipulators trägt. Außerdem droht er, in den Machstrukturen des Gefängnisses selbst zum Opfer zu werden - generell findet Schaefer das Thema Macht spannend verarbeitet. Nur die Figur eines Mithäftlings, der sich einer Geschlechtsumwandlung vollzieht und für Simon zum Vorbild wird, hätte es als Selbstfindungsmetapher nicht gebraucht, findet der Kritiker.
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