Kari Hukkila

Tausend und eins

Roman
Cover: Tausend und eins
Droschl Verlag, Graz 2026
ISBN 9783990592106
Gebunden, 208 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Finnischen von Maximilian Murmann. "Tausend und eins" beschreibt eine Zeit aus den Fugen, in der politische, ökologische und gesellschaftliche Katastrophen eine Spaltung der Gesellschaft vorantreiben. Ein "Ruck", der das geistige Klima zu verändern scheint. Es gibt keine Garantie, dass das Erzählen von Geschichten, auch nicht von Tausend und einer, das Überleben sichern, und auch das (philosophische) Denken nicht. Dass dieser "Ruck" in der Gesellschaft, ausgelöst unter anderem durch aktuelle Themen wie Obdachlosigkeit und Flüchtlingsproblematik, auch durch die eigene Familie geht, bestürzt ihn. Während gerade die isländische Aschewolke über Europa schwebt, beschäftigt sich der Ich-Erzähler in seiner Lektüre mit dem Ausbruch des Vesuv, mit der Beschreibung des Lebens im Gulag oder mit der gewaltvollen Besetzung Abessiniens, die sich immer mehr mit der realen Geschichte eines irregulären Einwanderers aus Äthiopien in Rom vermischt. Das Schicksal dieses Äthiopiers beschäftigt ihn zunehmend, zumal auch sein Freund Mara sich immer mehr in eine Liebesgeschichte mit ihm einlässt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.09.2026

Rezensent Tino Schlench empfiehlt ein anspruchsvolles Buch mit diesem Mix aus Roman und Essay des Finnen Kari Hukkila. Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen Ich-Erzählers, ebenfalls Finne, der sich in der Abgeschiedenheit Leben und Werk des polnischen Autors Gustaw Herling widmen will. Zwischen jenem Herling, der in den 1940er ins Gulag kam, und ihm erkennt er Parallelen, etwa im Hinblick auf den Rechtsruck im Politischen, aber auch im Privaten. Denn Familienmitglieder haben sich aufgrund unterschiedlicher Positionen zur Einwanderungspolitik bereits von ihm abgewandt. Bald lässt der Erzähler sein Projekt ruhen, um einen befreundeten Wittgenstein-Forscher in Rom zu besuchen, mit er dann über Migration, Wittgensteins Zeit an der Front im Ersten Weltkrieg oder zerstörte Manuskripte des Lyrikers Gunnar Björling sinniert, resümiert der Kritiker. Während der Lektüre kommen dem Rezensenten sowohl die Scheherazade als auch das Flanieren im Sinne Walter Benjamins in den Sinn. Manche Assoziation mag nicht immer ganz passen, dennoch nimmt Schlench diese Anregung zu "widerständigem Denken" auch dank der "klugen" Komposition und "eleganten" Sprache des Romans gern an.

Beliebte Bücher

Caroline Wahl. 1999 Meter über dem Meer - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…