Feiern am Rand des Abgrunds: Berlin in den "Goldenen Zwanzigern" ist eine Stadt der Gegensätze. Die Metropole übt auf viele eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, viele Schriftsteller und Künstler zieht es an die Spree, städtebauliche Innovationen werden gewagt, die Rolle der Frau wird neu definiert. Auf der anderen Seite herrschen Wohnungsnot und bittere Armut, die Folgen des Weltkriegs sind noch mit Händen zu greifen. Kai-Uwe Merz spürt den politischen Hintergründen, den sozialen Verhältnissen, der Stimmung und dem Lebensgefühl im Berlin der Weimarer Zeit nach und macht dabei auch die Ambivalenz deutlich, die die Stadt beherrschte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.03.2020
Rezensent Arno Widmann scheint sehr beeindruckt von Kai-Uwe Merz und seinem Buch über die Politik, Literatur, Theater, Architektur und Malerei in den 1920er Jahren. Dass der Autor das Wechselspiel von Aufstand und Putsch in der Weimarer Republik darüber vernachlässigt, kann er verzeihen. Zu schön und detailliert erscheinen ihm etwa Merzs Schilderungen der Städte-Bewerbungen um den Ort der verfassungsgebenden Versammlung oder seine "Seitenblicke" auf die Kinderbanden. Apropos, hier geht Widmann ein Licht auf, wenn auch kein angenehmes: Die ganze Tragödie einer Generation, die leben wollte, aber kämpfen musste, steht ihm auf einmal lebendig vor Augen.
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