Die Demokratie - läuft ihre Zeit ab? Diese Frage wird immer häufiger gestellt, seitdem autoritäre Führer im Vormarsch sind. "Wir erwarten das Falsche von unserer Demokratie", wäre die Antwort von einem der modernsten Denker unserer Zeit: Josiah Ober. In seinem Grundlagenwerk 'Demopolis' beschreibt der Historiker und Philosoph, was Demokratie im Kern ausmacht. Dazu schaut er auf die 'Wiege der Demokratie', das alte Griechenland. Im Altertum gab es kein Frauenwahlrecht, keine richterliche Unabhängigkeit oder Pressefreiheit, die Errungenschaften des Liberalismus. Und die Bürger, die das heute aufgeben sollen, leben in einer Demokratie?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2018
Rezensent Otfried Höffe hält Josiah Obers Versuch eines ernsthaften Gegenmodells zur liberalen Demokratie für gescheitert. Außer einigen schönen Argumenten und allerdings schlagenden Kenntnissen im Bereich der griechischen Demokratie findet Höffe im Buch des Stanforder Althistorikers nichts Umwerfendes. Ihn stören die ständigen Wiederholungen und die "US-Großprovinzialität", die den Autor bei seiner Vorstellung von einer Demopolis sogar an Klassikern wie Rousseau und Hegel vorbeisehen lässt. Der begrenzte politische Horizont des Autors verblüfft Höffe, wenn Obers weder die Schweiz noch China oder Saudiarabien in seine Betrachtungen aufnimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2017
Uwe Walter ist begeistert von Josiah Obers Vorschlag, wie der Sackgasse der Demokratie zu entkommen wäre. Obers Besinnung auf eine "Kerndemokratie", eine gemeinschftliche Selbstregulierung der Bürger mit den Zielen Sicherheit, Wohlstand und einer nichtautokratischen Regierung, wobei liberale Anliegen in die zweite Reihe verwiesen werden, scheint ihm bedenkenswert. Auch wenn die Neukonstruktion des Staatswesens auf der grünen Wiese Walter durchaus abenteuerlich erscheint, Obers Rückgriff auf antike Vorbilder, gefasst in einen eingängigen, optimistischen Stil, der einen mitdenkenden Leser erfordert, hat für ihn einiges für sich.
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