Hanser Berlin, Berlin 2026
ISBN
9783446288638 Gebunden, 624 Seiten, 30,00
EUR
Klappentext
Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein und Stefan Pluschkat. Lüttich, 1233. Halb erfroren kauert die junge Ida am Flussufer, als Clarisse sie entdeckt und in ihren Beginenhof bringt. In dieser Gemeinschaft selbstbestimmt lebender, religiöser Frauen, die sich weder als Nonnen der Kirche noch als Ehefrauen ihren Männern unterwerfen, findet Ida zu ungeahnter geistiger Freiheit und Kraft. Ihre Visionen werden immer stärker und verlangen von ihr, den Plan Gottes in die Tat umzusetzen. Während die Verfolgung durch den Klerus ihr utopisches Zusammenleben bedroht, steigt Ida zur Prophetin auf, solidarisiert sich mit den Armen und Marginalisierten und kämpft für eine gerechte, friedliche und herrschaftsfreie Weltordnung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2026
Rezensent Joseph Hanimann horcht auf bei den ungewohnten Tönen, die Jonas Eika nach seinem erfolgreichen Erzählband nun in seinem ersten Roman anschlägt: eine Geschichte über die klosterunabhängige Schwesterngemeinschaft der Beginen zwischen Belgien und Frankreich im Jahr 1233; geprägt von emanzipatorischen Reflexionen, Alltag, Mystik und durchaus auch mal religiösem Kitsch, aber auch Burleske und "diffuser Erotik", staunt Hanimann. Diese wilde Kombination gelingt ihm zufolge meistens, aber nicht immer: Spannend und gelungen findet er, wenn der dänische Autor sich "ehrlich und klug" an der christlichen Mystik abarbeitet, und ist auch entzückt über die teils zu literarischen "Ikonen" sich formenden Landschaftsbildern und historisch präzisen Beschreibungen alltäglicher Verrichtungen auf dem Beginenhof (Holzhacken, Waschen am Fluss…). Etwas daneben findet er hingegen, wenn allzu frei fantasiert wird: wenn die Hauptfigur Ida sich im Projekt einer Maria-Vita ausmalt, wie Joseph schnarcht und zu wenig Wasser auf die Reise nach Betlehem mitnimmt, ist das für den Kritiker nur noch "albern". Trotzdem scheint ihn dieser "schwierige Text" anzusprechen, insbesondere in der gelungenen Übersetzung von Ursel Allenstein und Stefan Pluschkat.
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