Am Film des Mainstream-Kinos wurde seit den 20er Jahren von Schriftstellern, Kunst- und Kulturkritikern, aber auch von den Theoretikern und Publizisten des Films immer wieder die Neigung zum Formelhaften, zu Klischees, zu konventionellen Bildern, wiederkehrenden Erzählmustern und Vorstellungswelten hervorgehoben. An ihr entzündeten sich vehemente Debatten. Jörg Schweinitz erfasst diese Tendenz mit dem Begriff Stereotyp - also mit einem Terminus, dem die Ambivalenz von Funktionalität und distanziertem kritischen Blick eingeschrieben ist. Er sichtet Stereotyptheorien von den verschiedenen Zweigen der Psychologie bis zur Sprach-, Literatur- und Kunsttheorie, um wesentliche Facetten filmischer Stereotypik theoretisch zu modellieren. Vor allem aber geht er der Frage nach, welche Denkweisen gegenüber der intellektuellen und ästhetischen Herausforderung durch das Stereotyp in den film- und kulturtheoretischen Debatten entwickelt wurden. Welche Konzepte dominierten unterschiedliche Phasen des Diskurses?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2006
Sehr zufrieden zeigt sich Patrick Straumann mit dieser Studie über "Film und Stereotyp", die der Filmtheoretiker Jörg Schweinitz vorgelegt hat. Die Untersuchung von Stereotypien, also immer wiederkehrenden Erzählmustern und Bildern, die das Mainstreamkino von Beginn an prägten, scheint ihm sowohl filmhistorisch als auch filmtheoretisch höchst aufschlussreich. Deutlich wird für ihn nicht nur die zentrale Bedeutung dieser Klischees als "kommunikative Größe" im Kino, sondern auch ihr kognitiver Wert im Kontext der Filmsprache. Schweinitz Überblick über verschiedene Richtungen der Filmtheorie dokumentiere die variierende Akzeptanz der Filme gegenüber den stereotypen Mustern. Die abschließende Fallstudie von drei Filmen macht für Straumann klar, dass sich das Stereotyp im Film heute "verurteilen, reflektieren oder integrieren, nicht aber ignorieren lässt".
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Ingo Schulze: Das Wasser im August Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…