Nora Rischer sitzt im Behandlungsstuhl einer Kinderwunschpraxis, als eine E-Mail sie erreicht: Rassistischer Vorfall an unserer Universität. Sie ist neugierig, vorauseilend empört - und sie stutzt: Ist da etwa ihr eigenes Seminar in der Germanistik gemeint? Rischer ist erschüttert. In ihrem Kopf werden kritische Stimmen laut, eine innere Anklage beginnt: Hat sie sich als Dozentin tatsächlich rassistisch verhalten? Soll sie sich entschuldigen? Und weshalb? Aus ehrlichem Schuldbewusstsein oder um sich zu retten? Wird sie gecancelt, obwohl sie kein alter weißer Mann ist, sondern eine queere Frau, die sich bislang für linksliberal gehalten hat?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.01.2024
Viel geschieht nicht in Jana Scheerers Roman. Das entscheidende Ereignis - der Vorfall, ist schon geschehen, es geht der Erzählung voraus und bildet ihren Anlass, es wird aufs gründlichste untersucht, besprochen und vor allem: gefühlt. Umso bewundernswerter, findet Rezensent Jörg Magenau, wie es Scheerer gelingt, diesen im Grunde plotlosen Gegenstand derart spannend auszugestalten! Einer Universitätsprofessorin wird Rassismus vorgeworfen - das ist eigentlich die ganze Geschichte. Entscheidend ist allerdings, wie sie erzählt wird: In rasantem Tempo, trickreich, stilistisch überaus ausgefeilt und facettenreich, herrlich komisch und trotzdem mit dem gebührenden Ernst. Es geht der Autorin also offenbar nicht darum, den gesamten Diskurs über politische Korrektheit zu delegitimieren oder lächerlich zu machen. Vielmehr zeigt Scheerer mit viel Geschick und Humor die "diskursiven Abgründe einer wohlmeinenden Öffentlichkeit" sowie deren "immanenten Totalitätsanspruch" auf, wie der Rezensent es ausdrückt. Eine herrlich groteske Geschichte ohne Ende - aber so ist es nun mal mit solchen Geschehnissen, denkt sich der amüsierte Rezensent.
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