Das Weiße Album ist eine poetische Erkundung der eigenen Vergangenheit: ein Familienalbum, dessen Bilder immer neue Erinnerungen auslösen, eine Folie für Varianten der Biographie - und als LP der Beatles das musikalische Signum einer Epoche des Umbruchs. Literarisch kunstvoll und eindringlich erzählt Kretzen von einer Kindheit und Jugend, die im Rückblick ein staunendes Rätseln auslöst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2007
Ins Grundsätzliche geht erst einmal der Rezensent Friedmar Apel. Mit all jenen, die von der experimentellen Literatur der Moderne nichts mehr wissen wollen, die etwa James Joyces "Finnegans Wake" einfach "enervierend" finden, will er sich nicht gemein machen. Mit Friederike Kretzens an avantgardistische Literaturformen anschließendem Roman "Weißes Album" hat er aber trotzdem irgendwann die Geduld verloren. Eine lineare Geschichte, einen narrativen Faden gibt es nur in Spurenelementen. Angesiedelt ist alles zwischen Wachen und Traum, zwischen Realität und Sprachreflexion. Es geht um eine Erinnerung an die sechziger und siebziger Jahre im Rheinland, um die Mädchen Elschen, Gitti und Hannah. Genaueres aber kann der Rezensent schon referieren. Alles hat nur "assoziativen, traumhaften Zusammenhang" und kommt für Apels Empfinden nicht recht von der Stelle. Zwar findet er das alles sprachlich durchaus beeindruckend. Trotzdem habe Kretzen mit ihrem Text nicht mehr als eine "leerlaufende poetische Iterationsmaschinerie" gebaut.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2007
Beeindruckt zeigt sich Andrea Köhler von Friederike Kretzens neuem Roman "Weißes Album". Dabei tut sie sich zunächst ein wenig schwer zu bestimmen, worum es sich dabei eigentlich handelt: ein "surreales Kopfkissenbuch", "spätmodernes Familienalbum" oder "Traumbild einer Epoche"? Alles zusammen, legt sie nahe, vielleicht mehr: der "Roman einer Generation". Kretzen erzähle von drei Kindheitsfreundinnen, die sich nach Jahren wieder sehen, die Nacht durchreden, sich an die gemeinsame Vergangenheit erinnern, die Kindheit in der deutschen Provinz und den Aufbruch in den siebziger Jahren. Im Grunde aber sieht sie in dem Buch ein Werk über das "allnächtliche Stillhalteabkommen mit der Zeit". Sie bescheinigt dem Roman eine enorme soghafte Wirkung, auch wenn man ihn nicht in einem Zug lesen könne. Fasziniert hat sie nicht zuletzt Kretzens Sprache, der eine "poetische Verdichtung" zueigen ist und eine "traumwandlerische Evidenz" gewinnt.
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