Franjo Francic

Heimat, bleiche Mutter

Roman
Cover: Heimat, bleiche Mutter
Drava Verlag, Klagenfurt 2005
ISBN 9783854354581
Gebunden, 160 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

Aus dem Slowenischen und mit einem Nachwort von Erwin Köstler. Der 1986 erschienene erste Roman des damals 28-jährigen Frančič erzählt in vier Abschnitten - Tempo; Heimat, bleiche Mutter; Schattige Zeiten; Blinde Schmetterlinge - und einem kurzen Postskriptum von Außenseitern der slowenischen Gesellschaft im Jugoslawien der späten siebziger Jahre. Die dargestellten Randexistenzen, junge Männer und Frauen aus desolaten Familienverhältnissen, leben mit der gesellschaftlichen Ordnung im Dauerkonflikt und markieren mit ihrem radikalen Individualismus den Widerstand gegen ein System der verbrauchten kollektiven Werte. Ihre Versuche, das Leben in den Griff zu bekommen, scheitern und beschleunigen das Tempo ihrer exzessiven Verweigerung, das in einem eklatanten Widerspruch zum Stillstand der Zeit steht. Die sich gegenseitig umkreisenden Protagonisten binden sich immer enger aneinander, bis sie schließlich mit elementarer Wucht auseinander geschleudert werden: Ale? bringt sich um, Irena verschwindet in geistiger Umnachtung, Franja rettet sich ins Ausland, der durch den Selbstmord des besten Freundes schwer getroffene Ich-Erzähler erhält die Einberufung in die Armee - und erlebt einen Einbruch in die Zeitlosigkeit, einen unentrinnbaren Albtraum von Schlaflosigkeit, Angst und der bleiernen Angst vor der Angst.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2006

Uwe Stolzmann begrüßt die deutsche Übersetzung dieses Buchs von Franjo Francic, das im slowenischen Original bereits 1986 erschienen ist. Die im Ljubljana der siebziger Jahre angesiedelte Geschichte über einen Studenten, der in der Armee geschunden wird und schließlich im Irrenhaus landet, hat bei Stolzmann ein Gefühl der Beklemmung ausgelöst. Er findet in dem Buch ein finsteres Bild Jugoslawiens, in dem Alkoholsucht, Hoffnungslosigkeit und Wahnsinn regieren. Francics von Abscheu getragene Kritik zielt nach Ansicht von Stolzmann indes nicht so sehr auf den Sozialismus balkanischer Prägung, sondern allgemeiner auf ein System, das weniger für die Menschen als für sich selbst sorgt. "Es erinnert uns damit", zitiert Stolzmann den Übersetzer Erwin Köstler zustimmend, "an die Mehrzahl der westlichen Demokratien von heute."
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