Daniel Schreiber

Nüchtern

Über das Trinken und das Glück
Cover: Nüchtern
Hanser Berlin, Berlin 2014
ISBN 9783446246508
Gebunden, 160 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Lange Zeit gehörte das Trinken so selbstverständlich zu Daniel Schreibers Leben wie die Arbeit. Manchmal fragte er sich, ob er nicht dabei war, eine Schwelle zu übertreten, doch meistens war die Rechtfertigung so griffbereit wie das nächste Glas Wein. Bis ihm irgendwann klar wurde, dass er längst dabei war, sein Leben zu zerstören und sich Hilfe suchte. Schreiber erzählt von den Mechanismen der Selbsttäuschung, die es so vielen Menschen erlauben, ihr Alkoholproblem zu ignorieren. Und er fragt, warum sich eine Gesellschaft eine Droge gestattet und dann diejenigen stigmatisiert, die damit nicht umgehen können.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.11.2014

Den blinden Fleck Alkohol lernt Susanne Lenz mit dem Buch des Journalisten Daniel Schreiber kennen. Dass Alkohol als Problem in der Mitte der Gesellschaft existiert, nicht bloß am Rand, ist eine der Erkenntnisse, die die Rezensentin mit aus dieser Lektüre nimmt. Vom Trinkdruck und von Abschaltstrategien berichtet ihr der Autor, immer nah an der eigenen Erfahrung, was den Essay für Lenz zu etwas Außerordentlichem macht: zu einem sehr persönlichen, doch nicht "bekenntnishaften" Buch über ein gesellschaftsrelevantes, tabuisiertes Thema, meint Lenz.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.10.2014

Alkoholismus ist kein unbedingt neues Thema, weiß Ursula März, Bücher über und von Trinkern gibt es in Hülle und Fülle - und doch: irgendetwas Neues hat Daniel Schreibers Essaybuch "Nüchtern" an sich, findet die Rezensentin. Es liegt jedenfalls nicht in der Anklage des Trinkens und im Lob der Abstinenz, ist sich März sicher. Vielleicht gerade das Gegenteil, überlegt die Rezensentin, vielleicht ist das Besondere dieses Buches, dass der Sucht als strukturierendem, regulierendem Moment in einer "Epoche deregulierter Kultur" ein Platz eingeräumt wird, der nicht mehr dem heuchlerischen Doppeldenk der Gesellschaft entspricht, die trinkt und den Trinker verurteilt, der also nicht dermaßen moralisch besetzt ist, erklärt März.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014

Mutig findet Andrea Roedig dieses Buch des Journalisten Daniel Schreiber, der darin offen und bescheiden seinen Weg in den Alkoholismus schildert. Wenn Schreiber seine anfänglichen Strategien des Selbstbetrugs schildert, erkennt Roedig die Perfidie einer Sucht, die einen in dem Irrtum halte, frei von ihr zu sein. Etwas skeptisch bleibt die Rezensentin, wenn Schreiber den Alkoholismus als eine neurologische Krankheit darstellt, gegen die nicht genug unternommen würde, oder wenn er den Alkohol als Schmiermittel der Arbeitsgesellschaft beschreibt (wo einen doch Nüchternheit, Sport und Gemüse viel leistungsfähiger halten). Das wird Roeding dann zu bekenntnishaft und vereinnahmend.

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