Charles Lewinskys Krimi spielt in einer unheimlichen Szenerie: in einer Zukunft, in der die Schweiz allein von einer national-populistischen Partei regiert wird. Der pensionierte Journalist Kurt Weilemann erhält eine rätselhafte Botschaft von einem Kollegen, der kurz darauf stirbt. Weilemann will den Mord aufklären, bekommt es aber zuerst mit der Politik und dann bald mit der Angst zu tun, denn die Leute, die hier offensichtlich einen Mord durch einen weiteren vertuschen möchten, scheinen an entscheidenden Machtpositionen im neuen Staatsapparat zu sitzen. Mächtig genug, dass sie auch ihn verschwinden lassen könnten - und die Wahrheit gleich dazu.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2017
Allround-Talent Charles Lewinsky schreibt mal eben einen hervorragenden Krimi, der nicht nur äußerst mitreißend erzählt ist, sondern sich darüber hinaus auch noch mit den aktuellen politischen Entwicklungen befasst, so der beeindruckte Rezensent Thomas Ribi. "Der Wille des Volkes" spielt in der nahen Zukunft: die "Eidgenössischen Demokraten" sind die stärkste, eigentlich die einzige Macht im Parlament, die Linken zu stolz, um gegen den rechten Populismus vorzugehen, und die Wahrheit, die Lewinskys pensionierter Ermittler Weilemann, von Hause aus Journalist, herauszufinden sich zur Aufgabe gemacht hat, scheint keine besonders große Rolle mehr in dieser Gesellschaft zu spielen, resümiert Ribi. Die Wahrheit, die Auflösung des mysteriösen Falles, von dem ein Kollege ihm andeutungsweise erzählte, bevor er ermordet wurde - am Ende findet Weilemann sie tatsächlich, doch was ändert das schon, fragt sich der nachdenkliche Rezensent genau wie Weilemann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2017
Wenn Rezensent Martin Ebel den Autor Charles Lewinsky gleich zu Beginn seiner Rezension den "vielseitigsten Schriftsteller der Schweiz" nennt und danach über den unweigerlich sympathischen und sprachgeschickten Protagonisten in "Der Wille des Volkes" schreibt, erwartet man nicht weniger als eine glatte Lobeshymne, doch tatsächlich steht Ebel dem neuen "Genre-Hybrid" Lewinskys aus Kriminalroman, politisch-gesellschaftlicher Dystopie und Medien-Kritik zwiegespalten gegenüber: Auf der einen Seite sind da der liebenswürdige "tüddelige Grantler" und Lewinskys durchaus interessante und unterhaltsame Zukunftsvisionen, auf der anderen Seite die ungünstige Mischung aus rheumatischem Ermittler und brandheißem Mordfall, aus der eine Langsamkeit entsteht, die dem Roman nicht gut tut, so der abwägende Rezensent.
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