Die Elbe ist der Strom des wiedervereinigten Deutschland. Sie verbindet die lange getrennten Teile des Landes, über die immer noch spürbare Fremdheit hinweg - und ist zugleich die geheime Achse Europas, an der Osten und Westen immer wieder neu aufeinandertrafen: in der Reformation, bei der Völkerschlacht von 1813, in Torgau, wo amerikanische und sowjetische Truppen sich 1945 über der zerstörten Elbbrücke die Hände reichten. Burkhard Müller hat sich auf eine Reise entlang der Elbe begeben, durch bekannte wie vergessene Gegenden. Er bricht im nordböhmischen Oberlauf des Flusses auf, an der Schneekoppe, reist durch die Sächsische Schweiz bis ins so prächtige wie widersprüchliche Dresden. Von dort zieht er in die Bauhaus-Stadt Dessau und die Lutherstadt Wittenberg, durch Gegenden des alten Braunkohletagebaus, wo heute die schönsten neuen Landschaften entstehen, weiter bis ins weltläufige Hamburg. Müller fragt nach der Geschichte der Orte und den Geschichten der Menschen - und erschließt damit nicht nur einen einzigartigen Kulturraum, sondern zeichnet zugleich ein deutsches Stimmungsbild.
Endlich eine angemessene Würdigung der ewig unterschätzten Elbe, jubelt Rezensent Alexander Cammann. Der Rhein und die Donau wurden unendlich oft bedichtet und besungen, meint Cammann, die Elbe nicht, dabei hat sie, wie dieses Buch zeigt, eine reichhaltige Geschichte, die es mit dem Euphrat oder dem Nil aufnehmen kann. Von Luther über Caspar David Friedrich bis zum Meißener Porzellan hat sie sich in die Geistes- und Kulturgeschichte eingeschrieben, zählt Cammann mit Müller auf, dessen Buch auch die Naturschönheit zum Beispiel der Elbauen würdigt. Endlich kommt dieser Fluss literarisch zu seinem Recht, so das zufriedene Fazit des Rezensenten.
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