Karl Lagerfeld stilisierte sich selbst zum lebenden Logo und zu einem Mythos der Modewelt. Was aber steckt hinter dieser überlebensgroßen, charismatischen Figur, die trotz aller Kommunikationslust die eigene Lebensgeschichte geheim hielt? In dieser Graphic Novel kommt man dem Menschen Lagerfeld durch Simon Schwartz' bildliche Umsetzung sehr nahe: dem frühreifen Jungen, der lieber auf dem Dachboden zeichnete, als mit Altersgenossen zu spielen; dem Sohn, der mit seinen Eltern stritt, aber nie von ihnen loskam; dem spitzzüngigen Konkurrenten von Yves Saint Laurent, den er am Ende überstrahlte; dem weltgewandten Genie in Paris, das mit preußischer Disziplin arbeitete; und dem Partner von Jacques de Bascher, der großen Liebe seines Lebens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.10.2025
Der Comic-Zeichner Simon Schwartz und der Journalist Alfons Kaiser haben sich zusammengetan, um eine überzeugende Graphic Novel über Deutschlands wohl berühmtesten Designer zu schreiben: Karl Lagerfelds Leben mit und für die Mode ist Thema, erklärt Rezensent Michael Hesse. Sein Leben wird von der Geburt 1933 in eine von den Nazis überzeugte Unternehmerfamilie, über die sein Leben verändernde Modenschau Diors 1949 in Hamburg und dann seine Karriere in Paris anschaulich und spannend gezeichnet, wie Hesse zufrieden feststellt. Ihm gefällt vor allem, dass die beiden auch die schwierigen Seiten Lagerfelds nicht verdecken.
Rezensent Ralph Trommer unterhält sich mit dem Zeichner Simon Schwartz über die Graphic Novel, die er auf Basis von Alfons Kaisers Biografie über Karl Lagerfeld geschaffen hat: "Immer stylisch vorgetragen" findet er die wechselnden Layouts, in denen Schwartz die verschiedenen Stationen in Lagerfelds Leben von der Kindheit im Bad Bramstedt der Nazizeit (die Eltern waren Mitläufer) über die seine Karriere inspirierende Modenschau in Hamburg, seine Design-Anfänge für Fendi und Chloé bis zum Aufstieg zu einem der wichtigsten Designer des 20. Jahrhunderts zeichnet. Auch das Privatleben, die sorgsam versteckte Homosexualität, die Beziehung zu Jacques de Bascher spielen eine Rolle - Trommer ist froh, dass sowohl Kaisers Buchvorlage als auch Schwartz' Comic auch schwierige und ambivalente Themen wie den in der Modebranche propagierten Schlankheitswahn aufgreifen und so ein höchst ansprechendes und interessantes Buch entstanden ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.07.2025
Rezensentin Jule Hoffmann ist noch nicht ganz überzeugt von der Graphic Novel, die Simon Schwartz auf Grundlage von und gemeinsam mit Alfons Kaisers Biografie über Karl Lagerfeld gezeichnet hat: Es wird konventionell-biografisch erzählt, von den Nazi-Eltern und der Kindheit in Bad Bramstedt über die erste besuchte Modenschau bis zum Aufstieg in der Pariser Modewelt. Am interessantesten findet Hoffmann die Einblicke in die Persönlichkeit des Designers, hinter sein stilisiertes Selbstbild. Zu kurz kommt ihr hingegen Kritisches wie Steuerhinterziehung oder Lagerfelds Kooperation mit H&M. Schwartz Zeichnungen "in klaren, kantigen Bildern" und im Pop-Art-Stil gefallen der Rezensentin durchaus, alles in allem ist der Band für sie aber doch nur nettes "Beiwerk" zu Kaisers Biografie.
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