Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.08.2026. Die FAS befürchtet, dass eine Deutsche Porträtgalerie, wie sie Wolfram Weimer vorschwebt, völkische Tendenzen bestärken könnte. Die FAZ reist mit Paweł Pawlikowskis klugem Film "Vaterland" und Thomas Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland. Die NZZ gruselt sich in einer Ausstellung in Rom, die Kunst zu Ovids "Metamorphosen" versammelt, vor dem allzu lebendigen Schlangenhaar von Rubens "Medusa". Die SZ lauscht dem Harfenzirpen auf dem neuen Album des Schauspielers Anthony Hopkins.
28.08.2026. In der SZ erzählt der libanesisch-kanadische Autor Wajdi Mouawad, wie er von seiner maronitischen Familie dazu erzogen wurde, alle zu hassen - außer Christen. FAZ und critic.de begeben sich mit Will Gluck eine vergnügte Nacht lang auf die Jagd nach einem Kondom. Der Guardian lernt in London, wie der südkoreanische Maler Ha Chong-Hyun die Geschichte seines Landes durch die Rückseite seiner Bilder presste. Der Tagesspiegel erinnert zum 75. Geburtstag der Berliner Festspiele daran, wann der Versuch, Brücken nach Osten zu bauen, schief ging.
27.08.2026. Ein trauriger Tag: Die Literaturkritik trauert um den ungarischen Schriftsteller Péter Nádas, der die Schrecken des 20. Jahrhunderts in seinen Romanen und Essays "so sublim und hypnotisierend" festhielt, erinnert die Zeit. Die Kunstwelt trauert um die japanische Künstlerin Yayoi Kusama und den Maler und Titanic-Mitbegründer Hans Traxler. Monopol erlebt in Berlin, wie sich der DDR-Fotograf Thomas Billhardt seinen unabhängigen Blick bewahrte. Und der Standard überlegt, wer bei den Salzburger Festspielen auf Markus Hinterhäuser folgen könnte.
26.08.2026. Alle trauern um Dolly Parton, die Country-Legende, die laut SZ noch die gesamte USA hinter sich vereinen konnte. Die Filmkritik feiert Brezel Görings Berliner Undergroundfilm "Für immer 16" - die taz fühlt sich pudelwohl auf dieser bunt-bekloppten Spielwiese. Die taz erkundet mit dem Expressionisten Rolf Nesch außerdem das neuronale Netz von Hamburg. Zeit Online fragt derweil, warum alle Welt in Zürich zu Vilhelm Hammershøis ausgesprochen stillen Bildern pilgert.
25.08.2026. Die taz vernimmt in einer Bochumer Ausstellung der Neofluxus-Künstler Ei Arakawa-Nash und Yuko Mohri das "beharrlich-fordernde Trommeln der Katastrophe". Die Kunsthistorikerin Julia Voss erklärt bei Zeit Online mit Blick auf die deutsche Geschichte, warum Berlin bisher noch keine Porträtgalerie hat. Die SZ fliegt mit den Livealben des Jazzsaxofonisten Immanuel Wilkins in die harmonischen Tiefebenen der Ekstase. Die FAZ untersucht Thomas Manns Verhältnis zur Populärkultur.
24.08.2026. Die Berliner Philharmoniker haben unter Kirill Petrenko einen umwerfenden Saisonauftakt hingelegt, lobt die FAZ. Die NZZ am Sonntag philosophiert über den Weltuntergang im Kino. Die sizilianische Kunststadt Gibellina ist für den Standard ein sehenswertes Kuriosum. Intendant Matthias Lilienthal schildert das Volksbühnen-Freibad in der Zeit als Utopieangebot an die Stadt Berlin. Nachtkritik begibt sich mit Michael Uhls Siegfried Lenz-Inszenierung in Wilhelmshaven auf eine karg-existenzielle Schiffsreise.
22.08.2026. Im Tagesspiegel erzählt der Musikjournalist Moritz Weber, dass Chopins Briefe an Männer keinen Zweifel an dessen Homosexualität lassen. In der SZ erklärt die britische Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg, worauf bei Insektengärten zu achten ist. Die nachtkritik feiert bei der Eröffnung der Ruhrtriennale Ivo Van Hoves Destillat aus 400 David-Bowie-Songs, die FAZ ärgert sich indes über diesen "Singaufstand der Fruchtzwerge". Die taz erkennt in Faraz Shariats Justizdrama "Staatsschutz" die Folgen einer rechtsextremen Regierung.
21.08.2026. Die FAZ bewundert die flagellantische Russlandaustreibung der litauischen Theatermacherin Agnietė Lisičkinaitė. Außerdem applaudiert sie Cyril Aris Spielfilmdebüt "A Sad and Beautiful World" über den Krieg im Libanon. Die FR blickt in Frankfurt melancholisch auf eine Zeit zurück, in der Grafikdesign ohne KI möglich war. Die taz tritt mit Catherine Christer Hennix in Karlsruhe durch die Schwingtüren des Transfeminismus.
20.08.2026. Die FAZ schaut zu, was passiert, wenn Milo Rau in Tel Aviv Wagner aufführt. Außerdem verliebt sie sich in die farbigen Faltenwürfe des ungarisch-französischen Künstlers Simon Hantaï, die in einer Ausstellung in Baden-Baden zu sehen sind. Eline van der Velden, der Mensch hinter der KI-Schauspielerin Tilly Norwood, erklärt in der Zeit, warum die Filmbranche keine Angst vor KI haben muss. Der Perlentaucher lässt sich von Saša Vajdas Coming-of-Age-Film "The Lights, They Sleep" die weniger repräsentativen Seiten von Berlin zeigen.
19.08.2026. Die FAZ begeistert sich in Kopenhagen für Sebastian Kloboks getanzte Hommage an das Radio. Der Tagesspiegel bejubelt die queeren und blutigen Exzesse in Jane Schoenbruns Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma". Der Standard feiert das neue Album der Folksängerin Phoebe Bridgers, dessen schmeichelnde Klänge unbedarfte Hörer sirenengleich in den Tod locken. Die Welt ärgert sich über gedankenlos zeitgeistige Installationskunst im Bayreuther Richard-Wagner-Museum.