Der Axel Springer Verlag hat Ende Juni in Britannien den konservativen
Daily Telegraph gekauft, meldet Gina Thomas in der
FAZ. Er plant damit laut
Mathias Döpfner "
führender Anbieter von digitalem und KI-unterstützten Journalismus in der freien Welt" zu werden - ein Konkurrenzprodukt zu dem weltweit gelesenen
Guardian und der
New York Times, darf man vermuten. Ob das klappt, wird sich zeigen. Erst mal ist die Belegschaft offenbar ganz froh, dass Springer das Rennen gemacht hat: "Die Redaktion hatte sich energisch gegen die Übernahme durch einen von den
Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten Vermögensfonds gewehrt und mit anderen Medienunternehmen auf die damals noch konservative Regierung eingewirkt, ausländische staatliche Beteiligungen an britischen Zeitungen und Magazinen zu verhindern. Im Gespräch bezeichnet Chris Evans, seit 2014 Chefredakteur des
Daily Telegraph, die Übernahme durch Springer aufgrund der
gemeinsamen Werte und Vorstellungen als die bestmögliche Lösung." Europa gehört allerdings nicht zu den Gemeinsamkeiten!
In
Tunesien werden immer häufiger Menschen verhaftet, die die Regierung kritisieren,
berichtet Mirco Keilberth in der
taz. "Wie viele Bürger wegen
kritischer Äußerungen strafrechtlich verfolgt wurden, weiß niemand. 2022 hatte Präsident Saied den sogenannten
Erlass 54 eingeführt. Damit können Gerichte die Verbreitung von Falschmeldungen und persönliche Verunglimpfungen mit jahrelanger Haft bestrafen. Seitdem ist die Angst, durch Kritik ins Visier der Ermittlungsbehörden zu geraten, enorm gestiegen. Human Rights Watch, das Internationale Komitee zum Schutz von Journalisten oder Amnesty International fordern das Ende oder mindestens die Reform des Dekrets. Die Verhaftung von Aktivisten, die sich für Migranten oder gesellschaftliche Minderheiten einsetzten, ist dabei in den letzten Jahren eher
mit Gleichgültigkeit hingenommen worden. Viele Tunesier ziehen weiterhin einen Präsidenten vor, der den Ruf hat, nicht korrupt zu sein und sich als Kritiker der mächtigen Wirtschaftskartelle gibt."
Es liegt ein Entwurf zum neuen
Medienstaatsvertrag vor, über den die Rundfunkkommission in Kürze beraten soll, schreibt Claudia Tieschky in der
SZ. Eine der weitgehendsten Maßnahmen in diesem Vertrag ist, dass auch YouTuber und Podcaster, die einen journalistischen Anspruch an ihre Inhalte haben, den journalistischen Sorgfaltspflichten unterliegen sollen. "
Journalistische Sorgfaltspflichten sollen nun nicht mehr nur für Rundfunk und Presse gelten. 'Journalistisch-redaktionell verantwortete' Angebote wie Podcasts oder Youtube-Kanäle, die Nachrichten oder politische Information enthalten, wären dem Entwurf zufolge nicht bloß, wie bisher, zur Prüfung von Fakten auf Herkunft und Wahrheit verpflichtet. Sie müssten auch 'geeignete Verfahren zur nachträglichen Überprüfung und Korrektur' entwickeln und, falls nötig,
Gegendarstellungen veröffentlichen. Einmal publizierte Falschinformationen müssten also richtiggestellt werden, um nicht im Netz immer laufend weiterverbreitet zu werden." Ansonsten können die Landesmedienanstalten dagegen vorgehen.
Diese Regeln, die für Printjournalisten schon immer galten, können zur Selbstzensur führen, fürchtet Benjamin Scherp in der
Welt. "Wer soll in Zukunft also entscheiden, ab wann ein Podcast, ein
YouTube-Kanal oder Blog diese Relevanz erreicht? Und wie misst man überhaupt Relevanz? Laut dem Entwurf sollen die Landesmedienanstalten die Kriterien für journalistisch verantwortete Angebote und die daraus folgenden Pflichten ausgestalten. Damit erhalten sie Hebel, um über Auflagen und Sanktionen auf die Praxis digitaler Anbieter einzuwirken. (...) Sobald ein kritisches Projekt durch seine Reichweite den Rahmen des politisch Erwünschten sprengt, droht ein behördliches Prüfverfahren. Das erzeugt
eine schleichende Selbstzensur, die dazu führen kann, dass scharfe Systemkritik oder zugespitzte Debatten gar nicht erst veröffentlicht werden, um kostspieligen Ärger und rechtlichen Stress zu vermeiden."