9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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1335 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2026 - Internet

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"Es könnte auch sein, dass wir der KI so gleichgültig sein werden wie uns die Ameise", sagt der Medienphilosoph Roberto Simanowski im FAS-Gespräch mit Livia Gerster, ohne die Gefahren zu verharmlosen. In seinem aktuellen Buch "Sprachmaschinen" untersucht er vor allem, wie KI dazu beiträgt, dass wir das Denken verlernen und wie durch "Mathematisierung der Kommunikation" das Wissen verschwindet: "Die Mehrzahl der Texte in den Trainingsdaten der Chatbots speist sich aus Online-Kommunikation. Wikipedia etwa macht nur einen winzigen Teil aus. Auch digitalisierte Bücher sind in der Minderheit. Man möchte verständlicherweise möglichst viel aktuelle Sprache in den Trainingsdaten - sonst würden am Ende die Perspektiven der viktorianischen Romane unsere aktuellen Probleme bestimmen. Aber das heißt dann eben auch, dass sämtliche Einlassungen über Napoleon in den sozialen Medien, die man nach jedem Blockbuster zuhauf findet, mehr Gewicht haben als akademische Bücher."

Weitere Artikel: Im Feuilleton-Aufmacher der SZ fragt Claudius Seidl einen, der es wissen muss, wie KI die Menschheit auslöschen würde: Den Anthropic-Chatbot Claude. In der taz überlegt Johannes Drosdowski, ob die Warnungen vor KI durch KI-Unternehmen Grund zur Sorgen sein sollten. Im Feuilleton-Aufmacher der FAS fragt Harald Staun indes, ob es nicht eher gefährlich ist, wenn nun ausgerechnet KI-Entwickler zu "obskuren Endzeit-Ideologen" werden und sich der Verantwortung für ihre Produkte entziehen. Martina Meister spricht für die Welt mit Franziskaner Paolo Benanti, KI-Berater des Papstes, ebenfalls über die Bedrohungen durch KI.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2026 - Internet

Düster klingt, was der Tech-Ethiker Tristan Harris im Zeit-Interview erzählt. Die jetzige KI-Entwicklung führe in eine "antihumane Zukunft": "Wir steuern auf eine Welt zu, in der der Mensch entwertet wird. Das Wettrüsten zwischen Firmen, Staaten und Egos ist längst gnadenlos. Erinnern Sie sich an Videorekorder aus den Neunzigern? Die Entwicklung von KI ist, wie die Vorspultaste zu drücken: auf die vierfache, achtfache, sechzehnfache Geschwindigkeit. Je mehr ich beschleunige, desto stärker dominiere ich Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Militär. Niemand denkt an Sicherheit. Das sind die perfekten Voraussetzungen für einen Crash." Aber, es gibt noch die Möglichkeit zur Umkehr: "Millionen Menschen müssen das Problem zunächst verstehen und ihren Regierungen sagen, dass der aktuelle Weg nicht der richtige ist. Dafür müssen sie drei Dinge herausstellen: Erstens ist der jetzige Pfad antihuman. Zweitens gäbe es einen besseren Weg, die KI zu entwickeln, einen, der die menschlichen Interessen priorisiert. Und drittens müssen wir eben dringend Gesetze und Regulierungen schaffen. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2026 - Internet

Die russische Regierung beschuldigt den Telegram-Gründer Pawel Durow des Terrorismus - Grund ist, dass er sich weigert, ukrainische  Kanäle zu löschen. Zwar nutzt die russische Regierung den Messengerdienst selbst, erläutert Mathias Brüggmann in der taz, aber "seit 2018 versucht Russland, Telegram im Riesenreich zu sperren. Denn Durow weigerte sich, dem FSB Aufzeichnungen und Zugang zur Entschlüsselung der Korrespondenz zur Verfügung zu stellen. Derzeit ist Telegram in Russland nur noch über VPNs zu erreichen, die anonymisierten Internetzugang ermöglichen. Der Kreml will seinem Land den vollständig von ihm überwachten staatlichen Messenger Max aufzwingen. Der in Abwesenheit angeklagte Durow lebt seit langem im Ausland, meist in Dubai, hat 11,4 Millionen Follower auf seinem Telegram-Kanal und die Staatsbürgerschaften der Vereinigten Arabischen Emirate, Frankreichs und St. Kitts und Nevis."
Stichwörter: Telegram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2026 - Internet

Ronan Farrow, Investigativ-Journalist beim New Yorker, hat den Chef des KI-Konzerns OpenAI, Sam Altman, ein Jahr lang begleitet. Im taz-Interview mit José David Escobar Franco attestiert er Altman soziopathische Züge. Noch ein unberechenbarer Mensch mit zu viel Macht: "Abgesehen vom Risiko massiver Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt sprechen wir hier über autonome Kriegsführung, die Entwicklung chemischer Waffen, Wahlmanipulation und Deepfakes, die unser grundlegendes Realitätsverständnis bedrohen. Die Frage nach der Ehrlichkeit des Marktführers ist daher von entscheidender Bedeutung. Wie sehr können Investor*innen und Steuerzahler*innen in den USA - die Rüstungsaufträge an KI-Unternehmen subventionieren - den Zusicherungen der führenden Köpfe dieser Technologie vertrauen? Es besteht ein erhebliches wirtschaftliches Risiko. Zahlreiche Expert*innen warnen davor, dass Altman zu viel und zu schnell verspricht und widersprüchliche Vereinbarungen trifft, ohne dabei tatsächliche Gewinne zu erwirtschaften. Sollte diese Blase platzen, würden die Folgen nicht nur OpenAI treffen; sie könnten die gesamte Wirtschaft destabilisieren."
Stichwörter: Altman, Sam, KI

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2026 - Internet

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Der Künstler Trevor Paglen fragt in seinem neuen Essayband, welche Folgen KI-generierte Bilder für unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von Fakten haben, wie er im Zeit Online-Interview erklärt: "Als die USA mit dem Luftangriff gegen den Iran begannen, ging ich am nächsten Tag auf X, um zu verstehen, was passiert. In dem Moment wurde mir klar, dass ich nicht mehr versuchte, den KI-Unsinn auszusortieren. Sondern ich nahm an, dass alles AI Slop ist, und versuchte, etwas zu finden, das real war. Mein Verhältnis zu Bildern und zu Informationen hatte sich also umgekehrt. Das war wirklich etwas Neues. Meinem Verständnis nach beruht die Theorie der Demokratie auf dem Gedanken der Empirie: dass wir etwas über die Welt wissen können, dass wir in einer gemeinsamen Realität leben, dass wir unterschiedliche Meinungen darüber haben können, was zu tun ist, aber dass wir dieselben Fakten teilen. Wenn das nicht mehr zutrifft, kann das gravierende politische Folgen haben."
Stichwörter: Paglen, Trevor, KI, Fake News

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.05.2026 - Internet

Wird die Trump Regierung tatsächlich vermehrt neue KI-Technologien kontrollieren? Zumindest wurde es nach dem Fall "Claude", einer neuen, anscheinend hochgefährlichen KI der Firma Anthropic, so angekündigt (unser Resümee). Schwer vorstellbar, dass der Staat hier den Tech-Giganten tatsächlich Kontrolle aufzwingen will, Claus Leggewie hält das in der taz trotzdem nicht für unwahrscheinlich: "Auch wenn das gemeinsame Ziel die Abwicklung der liberalen Demokratie bleibt, können sich jetzt - altmodisch gesagt - Kapitalfraktionen in die Wolle kriegen. Protektionisten gegen Freihändler, Libertäre gegen Etatisten, Ölextraktivisten gegen Quantum-Elektroniker, populistische Somewheres versus elitäre Anywheres, glorreiche Vergangenheit oder strahlende Zukunft, pro und kontra Migration, Common Sense gegen posthumane Intelligenz. Es geht letztlich beiden um Renditen, und auch da stört ein 'Claude', der Finanztransaktionen durcheinanderbringt. Und im geopolitisch auf Freund-Feind-Verhältnisse getrimmten Konkurrenzkampf ist auch ein Kriegsminister wie Pete Hegseth irritiert, wenn dieser 'Claude' dem Feind Sicherheitslücken im Pentagon offenlegt. Jedenfalls in seiner hobbesianischen Variante ist der Staat noch nicht vergangen. Letzte Hoffnung Trump? Er wird wohl auch das vermasseln und dem KI-Kartell die Selbstregulierung überlassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2026 - Internet

Der Journalismus baut mit an einer Infrastruktur, die ihn am Ende selbst verschlingt, schreibt in der taz der Medienwissenschaftler Stephan Weichert mit Blick auf Journalisten und Mediennutzer, die KI-Systeme mit Interviewtranskripten, Kommentaren oder Reportagen füttern. Ganz verschwinden wird der Journalismus freilich nicht, glaubt Weichert, bezugnehmend auf Jim VandeHei, Gründer des US-Nachrichtenportals Axios: "Während KI den Durchschnittsjournalismus zunehmend automatisiere, steige der Wert derjenigen, die über Expertise, Quellenkenntnis und Glaubwürdigkeit verfügten. In dieser Stringenz führt das zu einer radikalen Zweiteilung des Marktes. Auf der einen Seite entsteht eine unausweichliche Flut seelenloser Inhalte - schnell produziert, billig, blutleer. Auf der anderen Seite bleibt ein kleiner Kern journalistischer Arbeit übrig, der sich durch Exzellenz und persönliche Autorität von der Masse abhebt. Für viele Medienhäuser bedeutet das, sich einer unbequemen Wahrheit zu stellen: Die eigentliche Konkurrenz für Journalismus ist nicht die generative KI. Es ist der mittelmäßige Journalismus, den die Maschinen problemlos ersetzen können."

So ganz fair findet es Ex-FAS-Hospitant Paul Pfaffel nicht, dass Politik und Pädagogik das Thema "digitale Unmündigkeit" nur mit Blick auf Kinder und Jugendliche betrachten. Denn ältere Erwachsene seien im Netz mitunter genauso gefährdet wie Jüngere: "Der Harvard-Forscher Ben Lyons hat in einer Untersuchung mit rund 10.000 Menschen und Onlinenutzungsdaten von etwa 4500 Personen beschrieben, dass Menschen über 60 häufiger mit Falschinformationen in Berührung kamen und sie eher teilten und verbreiteten. Als treibenden Faktor benennt er dafür die sinkende digitale Kompetenz im Alter. Das ist eine hübsch unangenehme Pointe: Besonders die, die sich wegen ihrer Lebenserfahrung zu den Selbstgewissen zählen, sind anfällig für die Tricks aus einer Welt, mit der sie kaum richtig Erfahrung haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2026 - Internet

Es gibt in Deutschland bisher kein Gesetz, das explizit das Verbreiten von Deepfakes unter Strafe stellt - stattdessen müssen sich Opfer mit anderen Paragrafen wie dem Kunsturhebergesetz behelfen, erklärt im ZeitOnline-Gespräch die Juristin Ronja Sanow: Dieses "Gesetz stellt wörtlich das unbefugte Verbreiten von Bildnissen unter Strafe. Das kann alles Mögliche sein: eine Zeichnung, eine Karikatur oder eben etwas, was mit künstlicher Intelligenz generiert wurde." Dabei "wird komplett verkannt, dass hier eine Person in ihren Persönlichkeitsrechten und vor allem in ihrer sexuellen Selbstbestimmung verletzt wurde." Deutschland hinke hier mal wieder hinterher: "Eigentlich fordert die Richtlinie der EU zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt seit fast zwei Jahren, dass sexualisierte Deepfakes reglementiert werden müssen. In Deutschland ist aber bisher nichts passiert, anders als zum Beispiel in Italien, wo vergangenes Jahr ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2026 - Internet

Buch in der Debatte

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"Das Internet muss wieder allen Menschen gehören und nicht nur den Techkonzernen und den rechtspopulistischen Polarisierungstrollen", fordert der Medienwissenschaftler Martin Andree in der FAZ, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat. So hat die von Vance, Musk und Co und hier von der AfD geforderte "Meinungsfreiheit" den ganz gegenteiligen Effekt im Netz, erklärt er: "Eine unbegrenzte Meinungsfreiheit hat paradoxerweise negative Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit selbst. Umfragen zeigen, dass unter den Bedingungen von Hatespeech und Shitstorms auf Plattformen je nach Fragestellung zwischen 20 Prozent und 50 Prozent der (moderater eingestellten) Bürger und Bürgerinnen so eingeschüchtert sind, dass sie im Netz zunehmend verstummen. Zuletzt führt die verbale Gewalt auf den Plattformen dazu, dass Politiker und andere öffentliche Akteure aufgeben (wie zuletzt Kevin Kühnert)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2026 - Internet

Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman erzählt ihre Geschichte nun mit Hilfe ihres Enkels Aron Goodman auf TikTok. Im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen erzählen die beiden, wie es dazu kam. Goodman erklärt, warum er TikTok als Medium nutzt: "Das hat mehrere Gründe: Erstens kenne ich den Algorithmus gut und weiß, was funktioniert und was nicht. Zweitens habe ich auf TikTok extrem viel Antisemitismus gesehen. Es wurde wenig dagegen unternommen. Und drittens beziehen viele aus meiner Generation ihre Informationen nunmal von TikTok. Hinzu kommt: An vielen Schulen in den USA wird der Holocaust kaum oder gar nicht unterrichtet - besonders im Süden des Landes, aber auch in New Jersey. Diese Jugendlichen wollen wir erreichen und ansprechen. Und schließlich wollen wir Werbung machen für einen besseren Schulunterricht in punkto Holocaust."